Harting attackiert Diskus-Bundestrainer Schult

Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting will nach seinem respektablen Comeback in Rom die Olympia-Norm am Sonntag erneut angreifen. «65 Meter wollte ich hier schon werfen», sagte der Berliner der Deutschen Presse-Agentur nach seinem Saison-Debüt im Stadio Olimpico.

Harting attackiert Diskus-Bundestrainer Schult
Harting attackiert Diskus-Bundestrainer Schult

«Die Norm will ich jetzt in Birmingham klarmachen, ja. Das wird eine interessante Nummer», meinte Harting, der beim Diamond-League-Meeting mit 63,96 Metern Dritter geworden war.

Hinter den Kulissen brodelt es derweil gewaltig. Harting, bis zu seinem Kreuzbandriss Ende 2014 in den vergangenen Jahren immer die einzige deutsche Medaillenbank, machte Diskuswurf-Bundestrainer Jürgen Schult schwere Vorwürfe. «Er hat nie an mich geglaubt. Er glaubt nie an seine Athleten. Und auch jetzt ist es mal wieder sehr enttäuschend für mich gelaufen», beklagte der 31-Jährige in einem dpa-Gespräch.

«Wenn der Herr Bundestrainer nach dem ersten Wettkampf der Saison, in Wiesbaden, sagt: Robert muss unbedingt was anbieten, dann weiß ich auch nicht mehr.» Pikant: Am 15. Mai in Wiesbaden war Harting wegen einer Verletzung gar nicht am Start; er musste sein Comeback verschieben. «Er müsste doch sagen: 'Ich habe einen Athleten, der erfolgreich ist, der mir über Jahre hinweg erfolgreich die Position gesichert hat, warten wir mal ab'», meinte der dreimalige Weltmeister. Die Aussagen von Schult findet Harting «extrem unsportlich. Das ist hochgradig peinlich und seiner Position nicht würdig», beklagte er. «Ich hätte mir für mein Comeback in Rom eher ein aufmunterndes Wort von ihm gewünscht.» Das sei «menschlich sehr enttäuschend».

Weltrekordler Schult relativierte seine Aussagen. «Robert macht schwere Zeiten durch. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich gesagt habe, er muss jetzt etwas anbieten. Das ist nicht meine Diktion, nicht mein O-Ton», sagte der Bundestrainer auf dpa-Anfrage. Er habe Harting am Freitagmorgen schon per WhatsApp gratuliert. «Fast 64 Meter in einem geschlossenen Stadion zu werfen, das finde ich richtig gut», meinte Schult und beteuerte: «Ich bin der Meinung, dass ich für die Athleten da bin.» In der nächsten Woche will er mit Harting persönlich sprechen.