Hecking warnt: «Brauchen total brutal gute» Leistung

Weiterkommen Formsache? Ganz so einfach sieht Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking die Aufgabe beim OSC Lille nicht. Dabei spricht vor dem «Alles-oder-nichts»-Gruppenspiel in der Europa League am Donnerstag eigentlich alles für den VfL.

Hecking warnt: «Brauchen total brutal gute» Leistung
Peter Steffen Hecking warnt: «Brauchen total brutal gute» Leistung

Der Tabellenzweite der Fußball-Bundesliga ist auf dem Weg zur besten Hinrunde der Clubgeschichte, in bestechender Form und benötigt nur noch einen Punkt zum Weiterkommen. Lille dagegen ist seit zwölf Pflichtspielen sieglos, in der Europa League noch komplett ohne Dreier und in der französischen Liga in Abstiegsgefahr geraten.

Genau in dieser Konstellation hat Hecking die Gefahr erkannt und sprach von einer «hammerharten Aufgabe». Vor dem Abflug nach Nordfrankreich verblüffte der Coach mit seiner Einschätzung: «Das wird ein wahnsinnig schweres Spiel. Ich glaube, dass wir da wirklich alles abrufen müssen, um diesen einen Punkt zu holen. Wir brauchen eine total brutal gute Mannschaftsleistung.»

Die ungewöhnlich deutlichen Warnungen vor den momentan harmlosen und zudem ersatzgeschwächten Franzosen unterstreichen die Bedeutung des «Endspiels in diesem Jahr» (Hecking) für den VfL. Die zu erwartende beste Hinserie der Clubgeschichte will sich der deutsche Meister von 2009 nicht durch das leichtfertige Aus in Europa versauen.

«Da heißt es Alles oder Nichts. Man kann schon sagen, dass das eine Art Finale ist, aber wir brauchen keine Angst zu haben», bekräftigte Kevin De Bruyne, der im Hinspiel gegen schwache Franzosen als einziger Wolfsburger eine der vielen Chancen zum 1:1 nutzen konnte. Auch wegen der mangelnden Chancenverwertung gegen Lille und fehlender Cleverness bei den beiden Niederlagen gegen den Gruppensieger Everton könnte es am Donnerstag nun zu dem Kuriosum kommen, dass dem Tabellendritten Lille mit momentan nur vier Punkten ein einziger Sieg gegen Wolfsburg (7) wegen des dann gewonnenen Direktvergleiches zum Einzug in die K.o.-Runde reicht.

Ohne Nicklas Bendtner, Aaron Hunt und Christian Träsch reist der VfL zum OSC Lille. Nur bei Bendtner ist dies krankheitsbedingt. «Er hat einen Magen-Darm-Virus», sagte VfL-Manager Klaus Allofs nach der Landung in Nordfrankreich. Allofs wies zudem Spekulationen zurück, wonach Ex-Nationalspieler Hunt noch in der Winterpause zurück zu seinem Ex-Club Werder Bremen wechseln könnte. «Ich sehe das nicht als Option», bekräftigte Allofs: «Er ist hier nicht dabei, weil der Trainer eine große Auswahl hat an Spielern. Das hat nicht mit unseren Plänen zu tun».

Hunt ist nach seinem Wechsel im Sommer nach Wolfsburg nicht über die Rolle eines Reservisten hinausgekommen. Nach einem Bericht der «Sport Bild» soll sich der Offensivspieler bereits mit Werder-Vertretern getroffen haben, um über eine mögliche Rückkehr zu sprechen. Hunts Vertrag in Wolfsburg läuft noch bis 2017. «Wenn es wirklich so ist, dass er unzufrieden ist, kann ich das nicht nachvollziehen. Denn ich denke, dass es nicht so schlecht läuft», meinte Allofs: «Wir glauben, das alles normal ist. Einen Stammplatz bei uns zu bekommen ist nicht ganz so einfach».

Die Formkurven beider Teams sind seit dem Hinspiel vor über zwei Monaten komplett konträr verlaufen. Lille ist seitdem sieglos und Wolfsburg eilte fortan zu zehn Siegen und kassierte nur zwei Pleiten in den folgenden Pflichtspielen. Zur besten Hinrunde der Clubgeschichte fehlen in der Liga nur noch zwei Zähler. «Wir haben gezeigt, dass wir mit Everton die stärkste Mannschaft in der Gruppe sind. Das müssen wir auch zeigen», forderte Stürmer Bas Dost und bekräftigte bei allen Warnungen seines Trainers: «Wir fahren da hin, um zu gewinnen». Lille ist seit über zwei Monaten sieglos.

«Wir machen eine schwierige Phase durch. Da kommen Selbstzweifel auf, das ist klar», bekannte OSC-Nationalspieler Rio Mavuba in «Le Figaro». Zu allem Überfluss verletzten sich am Wochenende beim Derby gegen Lens (1:1) der erfahrene Abwehrmann Franck Béria und Offensivkraft Marvin Martin. Ihr Einsatz gilt als unsicher.

Dass der VfL als klarer Favorit nach Lille reist, ist freilich auch Klaus Allofs bewusst. «Wenn wir in Lille unsere Qualitäten ausspielen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir in die nächste Runde einziehen», meinte der Manager, der schon vor dem Europapokalstart vom Finale in Warschau gesprochen hatte.

OSC Lille - VfL Wolfsburg (Donnerstag, 21.05 Uhr/Kabel eins und Sky)

OSC Lille: Enyeama - Corchia, Kjaer, Rozehnal, Béria (Souaré) - Balmont, Mavuba, Gueye - Martin (Rodelin) - Roux, Origi

VfL Wolfsburg: Benaglio - Jung, Naldo, Knoche, Rodriguez - Guilavogui, Luiz Gustavo - Perisic, De Bruyne, Vieirinha - Olic

Schiedsrichter: Halis Özkahya (Türkei)