Heinz Macks Lichtwelten in Duisburg

Kaum ein Künstler hat zur Zeit so viele Ausstellungen in renommierten Museen wie Heinz Mack. In Ulm, Baden-Baden und jetzt in Duisburg sind die großformatigen Farbbilder, die glitzernden Stelen und die berühmten Lichtrotoren und Metallreliefs des 84-jährigen ZERO-Künstlers zu sehen.

Heinz Macks Lichtwelten in Duisburg
Monika Skolimowska Heinz Macks Lichtwelten in Duisburg

Macks Werke gehörten auch zur großen ZERO-Wanderausstellung, die allein im New Yorker Guggenheim Museum mehr als eine Viertelmillion Menschen sahen. Seine Installation aus neun jeweils sieben Meter hohen Pfeilern, die mit 850 000 goldenen Mosaiksteinen bedeckt sind, wurde zunächst in Venedig präsentiert und demnächst in Istanbul.

Licht ist der Werkstoff für Macks kühne Projektionen und Bilderträume. Seit bald 60 Jahren verfolgt der in Mönchengladbach lebende Künstler unbeirrt seinen Weg, das Licht in seinen Kunstwerken zu nutzen.

Für seine neue Werkschau im Museum Küppersmühle in Duisburg suchte Mack zumeist öffentlich noch nicht gezeigte Arbeiten aus seinem Lager aus. Er restaurierte über 50 Jahre alte Lichtrotoren, die irritierende Lichteffekte erzeugen. Er wählte Fotos seiner legendären Wüsten-Expeditionen in den 60er und 70er Jahren, bei denen er in der gleißenden Sonne mit verspiegelten Stelen utopische Erscheinungen fabrizierte.

Als zentrales Beispiel für seine berühmten frühen Metallreliefs steht ein geprägtes Aluminiumblech, das von weitem wie ein geheimnisvoller Eingang aussieht und daher wohl auch den Namen «Tür, durch die nur Engel gehen» (1963) trägt. Und selbst mit dem Auftrag von grauen und schlammigen Farben konnte Mack eine Leinwand scheinbar zum Vibrieren bringen, wie ein Bild aus dem Jahr 1958 zeigt.

Cool war die ZERO-Kunst in den 60er Jahren. «Die bürgerliche Wohlbefindlichkeitsatmosphäre war uns suspekt», sagt Mack am Mittwoch zu den Anfängen mit seinen Künstlerfreunden Otto Piene, der 2014 starb, und Günther Uecker, dem am Donnerstag der Staatspreis NRW verliehen wird.

Im Zentrum der Ausstellung «Apollo in meinem Atelier» (bis 31. Januar) stehen aber Macks wandfüllende intensive Spektralfarbmalereien und seine geometrischen Skulpturen. Erst 1991 habe er wieder mit der Malerei angefangen, sagt Mack bei der Vorstellung der Schau. Viele Bilder entstanden erst in den vergangenen Jahren. «Ich bin sowohl Bildhauer als auch Maler», sagt Mack. Licht ist die zentrale Kraft auch in Macks Bildern, die er «chromatische Konstellationen» nennt.

«Jedes Gemälde leuchtet aus sich heraus», sagt der Direktor der Küppersmühle, Walter Smerling. «Man kann sich gegen die Emotionen, die die Farbe auslöst, nicht wehren. Wir könnten das Licht ausdrehen und würden dennoch nicht im Dunkeln stehen.»

In der Tat ziehen die kräftigen Farben Blau, Gelb, Rot und ihre vielfältigen Abstufungen in den von geometrischen Formen bestimmten Bildern den Betrachter magisch an. Kritiker werfen Mack allerdings auch vor, seine Malerei sei dekorativ. Smerling sagt dazu, Mack sei in den vergangenen 50 Jahren «konsequent seinen Weg gegangen, auch wenn es Gegenmeinungen gab».

Mack selbst, der im übrigen nicht nur Kunst, sondern auch Philosophie studierte und um Worte nie verlegen ist, hat eine ziemlich dezidierte Meinung zum Kunstbetrieb und den Kritikern. «Der Begriff der Schönheit ist in der modernen Kunstwelt ein Tabu», sagt er. «Diesen negativen Aspekt konterkariere ich auf meine Weise.»

Wie seine Kunst, so strahlt auch der Künstler Mack trotz seines Alters ungebrochene Energie aus. «Ich möchte, so lange ich lebe, noch einen großen Teil meiner Ideen realisieren, die mich belagern», verrät er. Und wem seine Kunst zu einfach sei, dem entgegnet er: «Diese Einfachheit kann das Schwerste sein.»