Herbstaufschwung drückt Arbeitslosigkeit fast auf Tiefstmarke

Monat der Rekorde auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Die ausklingende Herbstbelebung hat im November nicht nur die Zahl der Arbeitslosen fast auf einen historischen Tiefstand gedrückt.

Zugleich rangiert Deutschland bei der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit nach jüngsten Daten zum ersten Mal europaweit auf Platz eins, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Mit der europaweit niedrigsten Arbeitslosenquote löste Deutschland laut der europäischen Statistikbehörde im September den langjährigen Spitzenreiter Österreich ab. Auch bei der Zahl der Erwerbstätigen blieb der deutsche Arbeitsmarkt auf Rekordkurs.

Die Arbeitslosigkeit fiel mit 2,717 erwerbslosen Männern und Frauen im November auf ein neues Drei-Jahres-Tief. Der Wert verfehlte damit ein historisches Rekordtief nur knapp - lediglich 2011 hatte die Arbeitslosigkeit leicht unter diesem Wert gelegen.

Im November waren damit 16 000 weniger Menschen auf Stellensuche als im Oktober. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Erwerbslosigkeit um 89 000 zurück. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 6,3 Prozent.

Im Oktober gab es in Deutschland so viele Beschäftigte wie nie zuvor - ihre Zahl kletterte erstmals über die 43-Millionen-Marke, berichtet das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Auch bei der sogenannten Erwerbstätigenquote habe Deutschland im zweiten Quartal nach Schweden einen Spitzenplatz eingenommen: Mit 77,5 Prozent war der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung so hoch wie in fast keinem anderem EU-Land.

Die Zahlen machen nach Ansicht von BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise deutlich, dass der deutsche Arbeitsmarkt sich selbst in einem schwierigen Konjunkturumfeld weiter gut behauptet: «Der Arbeitsmarkt hat sich gut entwickelt - und dass obwohl die deutsche Wirtschaft kaum noch wächst», sagte Weise.

Die jüngsten Daten bestätigten, dass sich der Arbeitsmarkt immer mehr von konjunkturellen Entwicklungen abkopple: Viele Unternehmen bauten wegen der knapper werdenden Fachkräfte selbst bei Auftragsflauten keine Stellen ab. Dennoch gehe er nicht davon aus, dass die Unternehmen künftig ähnlich viele neue Stellen schaffen wie in den vergangenen Jahren. «Wir haben ein so hohes Niveau. Weitere Steigerungsraten halte ich für unrealistisch», sagte Weise. «Die Erwartung, dass manche Firmen Mitarbeiter im großen Stil entlassen, steht aber ebenfalls nicht im Raum.»

Unklar sind nach Weises Angaben die Auswirkungen der im Juli eingeführten Rente mit 63 auf dem Arbeitsmarkt. Seit Juni sei die Zahl der Beschäftigten in dieser Altersgruppe um rund 20 000 gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen in dieser Gruppe sei seitdem um 18 Prozent zurückgegangen. Allerdings sei unklar, ob dieser Effekt allein auf die Rente mit 63 zurückzuführen sei.

Zugleich räumte der BA-Vorstand trotz des robusten Arbeitsmarktes weiter Probleme bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit ein. Zwar habe die Zahl der Menschen, die mindestens ein Jahr arbeitslos sind, seit dem Start der Hartz-IV-Reform im Jahr 2005 deutlich abgenommen, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. In den vergangen zwei bis drei Jahren habe es allerdings kaum noch Fortschritte gegeben, räumte er ein. In den Augen von BA-Chef Weise ist die Gefahr einer Aufspaltung des Arbeitsmarktes weiterhin groß: Den immer anspruchsvolleren Jobs stünden noch immer zu viele schlecht ausgebildete Jobsucher gegenüber.