Herthas Finaltraum erneut früh beendet - «Frustrierend»

Mit hängenden Köpfen schlurften die Profis des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC in die Kurve der mitgereisten Fans und bedankten sich für die Unterstützung. Die Abschiedsgrüße sind in dieser Jahreszeit ein Berliner Ritual.

Herthas Finaltraum erneut früh beendet - «Frustrierend»
Oliver Krato Herthas Finaltraum erneut früh beendet - «Frustrierend»

Wieder scheiterte der Hauptstadtclub im DFB-Pokal früh - diesmal beim Drittligisten Arminia Bielefeld nach 120 torlosen Minuten mit 2:4 im Elfmeterschießen. «Der Traum, auch mal im Pokal etwas weiter zu kommen, ist wieder nicht in Erfüllung gegangen», sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay.

Wie ein Fluch haftet der Hertha die eigene Pokalhistorie an. In den vergangenen sieben Spielzeiten haben die Berliner nur einmal die zweite Runde überstanden. Zum sechsten Mal scheiterte die Hertha als Bundesligist vorzeitig an einem Drittligisten. TuS Langerwehe (1979/80), Holstein Kiel (2002/03), Eintracht Braunschweig (2004/05), FC St. Pauli (2005/06), Wuppertaler SV (2007/08) und nun Bielefeld - die wenig schmeichelhaft Liste wird immer länger.

Das alles ist Geschichte - wie der laufende Wettbewerb. «Das ist enttäuschend, frustrierend und bitter», sagte Luhukay, der aber mit dem Zustandekommen der Niederlage keineswegs haderte. Der Niederländer sah in der Arminia den «verdienten» Sieger und führte das Aus auch nicht auf das Fehlen der Leistungsträger wie Per Skjelbred, Nico Schulz und Änis Ben-Hatira zurück.

Während die Hertha am Sonntag beim Bielefelder Nachbarn SC Paderborn den grauen Bundesliga-Alltag wieder aufnimmt, darf sich die klamme Arminia über ein weiteres Highlight und dringend benötigte mehr als 500 000 Euro freuen. Und das dank Alexander Schwolow. Die Leihgabe vom SC Freiburg parierte im Elfmeterschießen die Versuche von Julian Schieber und Sandro Wagner, verpasste aber nach dem Schuss ins Glück seines Kollegen Marc Lorenz den Absprung zum Jubeln. «Ich habe nicht mitgezählt, ich dachte, dass noch einer kommt», erklärte er.

Schwolow wurde von den Arminen-Fans nach dem Schlusspfiff frenetisch gefeiert - und musste den Klassiker «Humba täterä» anstimmen. «Das war für mich das erste Mal», sagte er. Die bundesligareife Stimmung in der SchücoArena war dem in Wiesbaden geborenen Keeper allerdings nicht fremd, schließlich hat er sie in Freiburg bereits erlebt. «In der ersten Liga hat man das jede Woche. Dafür müssen wir aber noch ein bisschen was tun», sagte Schwolow. Zum Beispiel schon am Samstag bei Holstein Kiel.

Und die Hertha? Wenn am 30. Mai 2015 zum 31. Mal in Serie im Berliner Olympiastadion der Höhepunkt der deutschen Fußball-Saison ansteht, ist die «alte Dame» zum 31. Mal nicht dabei. Nur die Amateure - seinerzeit mit Carsten Fiedler und Carsten Ramelow - hatten 1993 das Vergnügen und schlugen sich gegen Bayer Leverkusen (0:1) wacker. Finalteilnahmen für die Profis gab es lediglich 1977 und 1979 - im Niedersachsenstadion von Hannover und nicht im eigenen «Wohnzimmer».