«Herzilein» machte die Wildecker Herzbuben berühmt

Das Lied ist einer der größten Hits in der deutschsprachigen Volksmusik: «Herzilein» von den Wildecker Herzbuben. Am 4. Oktober 1989 wurde es veröffentlicht und wird nun 25 Jahre alt.

«Herzilein» machte die Wildecker Herzbuben berühmt
Sören Stache «Herzilein» machte die Wildecker Herzbuben berühmt

Für die beiden Interpreten - Wilfried Gliem (heute 68) und Wolfgang Schwalm (60), das wohl schwergewichtigste Volksmusik-Duo Deutschlands - war es der Glücksfall ihres Lebens. Wertvoller als ein Sechser im Lotto.

Gleich der erste Song, den sie herausbrachten, verkaufte sich millionenfach und ebnete ihnen den Weg zu einer Karriere im Musikgeschäft mit Auszeichnungen und Tourneen. «Es gab einen Riesen-Hype um dieses Lied. Es hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Wir schwebten fortan auf einer Erfolgswelle», erinnert sich Wilfried Gliem, der im osthessischen Wildeck wohnt. «Damals auf dem Boden zu bleiben, war schon aufgrund unseres Gewichts kein Problem», scherzt Gliem, der heute noch mit seinem Partner auf der Bühne steht.

Kurios an der Geschichte: Die Herzbuben kamen durch Zufall an den eingängigen Song, erinnert sich Gliem. Keiner wollte ihn singen. Angeboten worden sei er zuvor unter anderem Peter Alexander und Gottlieb Wendehals (Werner Böhm). Erst Sänger G.G. Anderson, der bei der Schallplattenfirma Hansa unter Vertrag stand, sagte: «Das ist was für die beiden Dicken aus meiner Band.» Der Rest ist Geschichte. «Die Single ging direkt ab wie eine Rakete», sagt Gliem. Wenige Monate später schoben sie 1990 das Album «Herzilein» nach.

Schwalm gab seinen Job in einem Elektrogroßhandel auf und setzte voll auf Volksmusik. Doch im Laufe der Jahrzehnte gelang den Schunkelstars nie wieder solch ein Gassenhauer. «Wir wissen nicht, was einen Hit zum Hit macht - sonst würden wir Millionen scheffeln. Aber wenigstens hatten wir überhaupt einmal solch einen Knaller. Das gelingt ja nicht jedem», sagt Gliem stolz. «Die Leute mögen es, weil es Gemütlichkeit ausstrahlt. Es ist unterhaltsam, macht die Menschen glücklich und kommt überall gut an: vom Kindergarten bis zum Altenheim.»

Gliems Partner ergänzt: «Das Lied hat seine Besonderheiten: Die Trompete etwa im eindrucksvollen Intro - da erkennt man es sofort.» Und zum Mitsingen, Schunkeln und Klatschen animiert es ohnehin. «Der schnörkellose Liedtext bedient Klischees der heilen Welt und der Liebe. Der ist so eingängig, dass ihn jeder Dorfdepp schnell mitsingen kann», urteilt Musik- und Radio-Experte Jürgen Christ von der Musikhochschule Karlsruhe. «In Verbindung mit den beiden Typen, diesen Ungetümen zum liebhaben, entsteht ein starker Kontrast.»

Ihre Erscheinung half den Herzbuben, sich von anderen zu unterscheiden und im Gedächtnis der Menschen festzusetzen. Mit ihrer enormen Körperfülle sorgen die beiden Dicken stets für Aufsehen und Gesprächsstoff. Ein Markenzeichen ist auch die rot-weiße Schwälmer Tracht. Mit dem Outfit verkleiden sich schon Spaßvögel zu Karneval.

Die Herzbuben haben mehr als ein Dutzend Alben herausgebracht - und sind nach eigener Aussage immer noch gefragt in der Branche. Erst im Mai präsentierten sie ihr Album «Sommer, Sonne, Herzilein» - darauf sind auf Partystimmung getrimmte Schlager versammelt. Im Oktober sind die Pfundskerle - Gliem mit «132 Kilogramm», Schwalm «180 Kilogramm» - nun mit anderen Musikern auf Tour. «Wir machen Musik auf der Bühne, bis wir tot umfallen», sagt Gliem. Das Geld sei nur zweitrangig.

Gliem bedauert, dass die Volksmusik immer wieder an den Pranger gestellt werde. Auch der Musikverkauf gehe für viele Künstler zurück, abgesehen von Stars wie Helene Fischer und Andrea Berg. «Volksmusik ist auf dem absteigenden Ast. Sie wird gern kaputt geredet. Für einige ist es das Schlimmste, was es gibt», ärgert er sich. Vor kurzem hatte Gliem mehr Volksmusik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gefordert. Die Programm-Macher müssten alle Zuschauer gleichermaßen bedienen. Musikexperte Christ kann die Kritik nicht teilen: «Die Volksmusik-Branche darf sich nicht beklagen. Sie ist in Vollprogrammen noch stark vertreten.»