Hilfsorganisationen werfen den UN Versagen in Syrien vor

21 Hilfsorganisationen haben dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen völliges Versagen in der Syrien-Krise vorgeworfen. Den UN sei es nicht gelungen, die Menschen in dem Land zu schützen, heißt es im Bericht «Failing Syria» (Versagen in Syrien).

Hilfsorganisationen werfen den UN Versagen in Syrien vor
Antonio Pampliega Hilfsorganisationen werfen den UN Versagen in Syrien vor

Die 21 Gruppen - darunter Oxfam, World Vision, Pax Christi International, Save the Children und Handicap International - veröffentlichten den Bericht zum vierten Jahrestag des Beginns der Proteste (am 15.3.), die schließlich zum Bürgerkrieg führten. Sie bewerteten ihren Syrien-Bericht als «katastrophales Zeugnis» für die Vereinte Nationen und die Konfliktparteien. Seit 2011 seien 220 000 Menschen getötet worden.

Die Helfer werfen dem Sicherheitsrat vor, dass keine seiner drei Resolutionen etwas bewirkt habe. Statt geschützt zu werden, hätten die Syrer das blutigste Jahr des Konflikts erlebt. 76 000 Menschen seien getötet worden, mehr als ein Drittel der Toten der vierjährigen Gewalt. Die Zahl der kaum zu erreichenden Hilfebedürftigen habe sich trotz einer UN-Resolution auf 4,8 Millionen mehr als verdoppelt. 5,6 Millionen Kinder seien auf Hilfe von außen angewiesen, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr.

«Die bittere Realität ist, dass der UN-Sicherheitsrat die UN-Resolutionen nicht umgesetzt hat. Das vergangene Jahr war das dunkelste seit Ausbruch dieses fürchterlichen Krieges», sagte Kathrin Wieland von Save the Children. Robert Lindner von Oxfam sagte: «Die Regierungen einflussreicher Staaten müssen endlich dafür sorgen, dass der Konflikt nicht weiter angeheizt wird und dass die Nothilfemaßnahmen massiv ausgeweitet werden.» Sie müssten den Druck auf die Konfliktparteien erhöhen.

Den Helfern von UN und anderen Hilfsorganisationen könnte auch noch das Geld ausgehen. Schon 2013 waren die UN-Hilfsmaßnahmen nur zu 71 Prozent finanziert, heißt es in dem Bericht. Im vergangenen Jahr seien es dann nur noch 57 Prozent gewesen. Derzeit seien 3,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien in den Nachbarländern. Den Prognosen der Helfer zufolge werden es Ende des Jahres 4,3 Millionen sein.

«Allein in den Camps entlang der türkisch-syrischen Grenze leben über 250 000 Flüchtlinge, die vollständig auf internationale Unterstützung angewiesen sind», erklärte das Welternährungsprogramm (WFP) dazu. «Die Lage in Syrien wird immer dramatischer, noch nie mussten die Vereinten Nationen in einer Krise so viel Hilfe leisten.»

Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) haben derzeit Millionen Menschen in Syrien keinen Zugang zu verzweifelt benötigter Hilfe. «Dieser Krieg ist durch brutale Gewalt geprägt, die weder zwischen Zivilisten und Kombattanten unterscheidet, noch den Schutz von Gesundheitspersonal und medizinischen Einrichtungen respektiert», sagt Joanne Liu, die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. «Die Zahl der Todesopfer und das Leid der Zivilisten haben untragbare Ausmaße erreicht und die derzeit geleistete humanitäre Hilfe ist völlig unzureichend.»

Durch den vierjährigen Konflikt ist Syriens Gesundheitssystem zusammengebrochen. Der Zugang zu lebenswichtigen medizinischen Behandlungen sei inzwischen kaum noch möglich, weil medizinisches Material und qualifiziertes Personal fehlen und selbst Gesundheitseinrichtungen angegriffen werden.