Hintergrund: Der Stinkefinger

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) zeigt den Stinkefinger und stellt sich damit in eine Reihe Prominenter, die mit der Geste ebenfalls für Diskussionen sorgten: die Fußballer Effenberg und Beckham, der Ex-SPD-Politiker Clement, Gewerkschaftschef Bsirske und andere.

Hintergrund: Der Stinkefinger
Fabian_Bimmer Hintergrund: Der Stinkefinger

Die Geste geht zurück auf die Antike, wie der Rhetorik-Experte Alexander Baur von der Universität Tübingen sagt. «Es ist eine eindeutig sexualisierte Geste, ein Phallussymbol als Drohgebärde.» Als «feindliche Geste» beschreiben ihn die Wissenschaftler Jesse Chandler und Norbert Schwarz in der Fachzeitschrift «Journal of Experimental Social Psychology». Sie verorten seine Ursprünge im alten Griechenland.

Im alten Rom war der ausgestreckte Mittelfinger nach Angaben Baurs auch eine Bestrafungs- und Demütigungsgeste. «Das war damals sehr unangenehm, weil es um den Finger im Hintern als Demütigung ging», sagt Baur. «Aber das hat sich natürlich mittlerweile überlebt.» Inzwischen sei der Stinkefinger, der es 1996 in den Duden schaffte, eine internationale Geste und - im Gegensatz beispielsweise zum Schuhwurf in der arabischen Welt - interkulturell verständlich.

Juristisch ist der Stinkefinger durchaus von Relevanz. Als Beleidigung etwa im Straßenverkehr kann er nach Angaben des ADAC bis zu 4000 Euro kosten.