Hintergrund: Die Unterhändler der Union im Koalitionspoker

Die Union schickt ihr Spitzenpersonal in die Sondierungsgespräche. Dies ist der kleine Kreis um Kanzlerin Angela Merkel:

Hintergrund: Die Unterhändler der Union im Koalitionspoker
Julian Stratenschulte Hintergrund: Die Unterhändler der Union im Koalitionspoker

ANGELA MERKEL (59): Die Bundeskanzlerin hat die Koalitionsgespräche 2005 mit der SPD und 2009 mit der FDP geführt. Vor vier Jahren waren die Verhandlungen in rekordverdächtiger Zeit von nur etwa drei Wochen beendet. Vieles blieb dabei im Ungefähren, was später zu massiven Problemen der Koalitionspartner führte, weil jeder etwas anderes beschlossen zu haben glaubte. Diesmal will die CDU-Vorsitzende die Vereinbarung für die nächsten vier Jahre so präzise wie möglich fassen. Merkel ist in Regierung und Partei die unangefochtene Nummer 1. Sie sieht die größeren Chancen für ein funktionierendes Bündnis mit der SPD. Schwarz-Grün hatte sie vor einigen Jahren als «Hirngespinst» bezeichnet.

HORST SEEHOFER (64): Der CSU-Chef hat bei der bayerischen Landtagswahl Mitte September mit seiner Partei die absolute Mehrheit zurückerobert. Daraus leitet er einen gestiegenen Machtanspruch in der Union und bei den Koalitionsverhandlungen im Bund ab. Er verlangt die Einführung einer Pkw-Maut für Ausländer. Sonst will er keinen Koalitionsvertrag unterschreiben. Er will aber unbedingt eine schwarz-rote und keine schwarz-grüne Koalition.

VOLKER KAUDER (64): Der Unionsfraktionschef bildete in der großen Koalition von 2005 bis 2009 ein allseits geschätztes Duo mit dem damaligen SPD-Fraktionschef Peter Struck. Struck starb im vorigen Jahr. Eine Wiederauflage eines ähnlich guten Verhältnisses wäre für Kauder eine Traumvorstellung. Er sagt aber, die SPD habe sich sehr verändert. Im Wahlkampf nannte Kauder die SPD sogar nicht regierungsfähig. Dennoch räumt auch er einer großen Koalition mehr Erfolgschancen ein als einem Bündnis mit den Grünen.

GERDA HASSELFELDT (63): Die Landesgruppenvorsitzende der CSU-Bundestagsabgeordneten ist eine wichtige Mittlerin zwischen dem schnell mit Koalitionsbruch oder sonstigen Brüchen drohenden Seehofer und der oft abwartenden Kanzlerin sowie den Gesprächspartnern auf der anderen Seite. Hasselfeldt agiert gern im Hintergrund. Dass CDU-Frauen ihren Widerstand gegen das umstrittene Betreuungsgeld überwanden, wird zu einem großen Teil ihr zugeschrieben.

HERMANN GRÖHE (52): Der CDU-Generalsekretär hat erheblichen Anteil an dem 41,5-Prozent-Wahlsieg der Union, doch er ist kein Politiker, der sich in Erfolgen sonnt. Er ist auch kein Wadenbeißer, als der der Generalsekretär einer Partei oft bezeichnet wird. Im Tagesgeschäft wünscht sich mancher CDU-Politiker mehr Biss von ihm. Gröhe begegnet seinem Gegenüber aber stets höflich, fair und meistens freundlich - in der Sache ist er hart. Gute Grundlage für Verhandlungen.

ALEXANDER DOBRINDT (43): Der CSU-Generalsekretär ist das Gegenteil von Gröhe. Dobrindt haut gern kräftig drauf und heizt Diskussionen an. Die FDP nannte er zu Beginn der schwarz-gelben Koalition einmal «Gurkentruppe». Doch auch die strategische Planung beherrscht er. Die absolute Mehrheit in Bayern gilt auch als sein Verdienst. Seehofer soll Dobrindt zugesagt haben, Bundesminister zu werden.

RONALD POFALLA (54): Der Kanzleramtsminister und frühere CDU-Generalsekretär gehört zu den engsten Vertrauten von Merkel. Bei ihm laufen viele Fäden zusammen. 2009 hätte er gern ein Ministerium übernommen, doch Merkel wollte ihn auf ihrer Etage im Kanzleramt haben. Bleibt die Frage, ob er diesmal mit einem Ministeramt bedacht wird.