Hintergrund: Die wichtigsten Akteure im Bahn-Tarifkonflikt

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn steht die Lokführergewerkschaft GDL als kleine, aber schlagkräftige Spartengewerkschaft im Mittelpunkt. Wer spielt in dem Konflikt welche Rolle?

Hintergrund: Die wichtigsten Akteure im Bahn-Tarifkonflikt
Matthias Hiekel Hintergrund: Die wichtigsten Akteure im Bahn-Tarifkonflikt

Claus Weselsky ist seit 2008 der streitbare Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Der ehemalige Lokführer steht für den harten Kurs seiner Organisation. Der Dresdner tritt gern allein vor die Kameras, greift im Tarifkonflikt zu scharfen Vokabeln, bleibt aber im Ton meist ruhig. Interne Kritiker aus der GDL werfen ihm einsame Entscheidungen vor.

Alexander Kirchner ist als Chef der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) der Konkurrent Weselskys im Arbeitnehmerlager. Der Hesse wirkt in Auftreten und Wortwahl besonnen. Bei der Bahn begann er als Elektroniker in einem Ausbesserungswerk. Der erfahrene Tarifexperte wurde 2008 an die Spitze der Gewerkschaft Transnet gewählt, die 2010 in der EVG aufging. Das SPD-Mitglied Kirchner legt viel Wert auf Solidarität unter dem Eisenbahnern.

Ulrich Weber ist seit 2009 Personalvorstand bei der Bahn und hat schon mehrere Tarifrunden hinter sich. Der erfahrene Jurist, der vom Kohlekonzern RAG kam, ist eigentlich ein ausgeglichener Typ. Die Streiks der GDL verärgerten aber auch ihn sicht- und hörbar: Dreist und unverschämt nannte er die GDL-Aktionen. Mit Vorschlägen zu Vermittlung und Schlichtung versuchte er den Tarifstreit zu beruhigen. Weil kein anderer Weg möglich ist, verhandelt er nun wieder getrennt mit GDL und EVG.

Bahnchef Rüdiger Grube hält sich im Tarifkonflikt merklich zurück. Er äußerte sich nur in wenigen Interviews. Vor dem jüngsten Streik rief er die GDL zur Mäßigung auf. Zuvor hatte Grube die Forderungen der Lokführergewerkschaft unerfüllbar genannt und für ein Gesetz zur Tarifeinheit plädiert, sofern die beiden Gewerkschaften GDL und EVG nicht zur Zusammenarbeit bereit seien. Sonst überlässt er das Feld seinem Personalvorstand Ulrich Weber.