Hintergrund: Welche Daten erfassen deutsche Mautbrücken?

Auf den Autobahnen in Deutschland befinden sich rund 300 Gitterbrücken, die bislang allein die Aufgabe haben, die korrekte Bezahlung der Lkw-Maut zu kontrollieren.

Hintergrund: Welche Daten erfassen deutsche Mautbrücken?
Tim Brakemeier Hintergrund: Welche Daten erfassen deutsche Mautbrücken?

Wenn ein Fahrzeug - egal ob Lastwagen, Bus oder Pkw - unter einer Kontrollbrücke durchfährt, werden zwei Fotos aufgenommen. Das erste Foto hat das Kennzeichen im Fokus, das zweite Bild zeigt das komplette Fahrzeug im Verkehrsgeschehen. Nach Angaben des Bundesdatenschutzbeauftragten wurde die «Technik so ausgelegt, dass auf den entsprechenden Fotos das Gesicht des Fahrers nicht erkennbar ist».

Eine von der Wiesbadener Vitronic GmbH entwickelte 3D-Bildsoftware erkennt dann automatisch, ob es sich bei dem Fahrzeug um einen maut-pflichtigen Lkw handelt oder nicht. An dieser Stelle werden die Daten der herkömmlichen Autos, die nicht mautpflichtig sind, bereits wieder aussortiert und gelöscht - wie im Bundesfernstraßenmautgesetz festgeschrieben. Für eine Speicherung und Übertragung der Pkw-Daten müsste die Software in den Brücken umgeschrieben werden.

Erkennt das System aktuell einen Lastwagen, wird das erfasste Kennzeichen mit den Datenbanken des Toll-Collect-Systems abgeglichen. Dabei wird festgestellt, ob für das Fahrzeug eine gültige Buchung über ein Mautstellenterminal oder aus dem Internet vorliegt.

Lastwagen, die mit einer sogenannten On-Board-Unit in der Größe eines Autoradios ausgestattet sind, kommunizieren über eine Infrarotschnittstelle mit der Kontrollbrücke. Das Gerät überträgt von Zeit zu Zeit ein Paket von mautpflichtigen Streckenabschnitten, die der jeweilige Lastwagen zurückgelegt hat. Die Kommunikation ist über die gesamte Strecke hinweg verschlüsselt und kann nur von Toll Collect entschlüsselt werden. Toll Collect kann nicht feststellen, wo sich ein Lkw gerade aktuell befindet.

«Das Mautsystem der Toll Collect GmbH ist ein Zahlungssystem bzw. Buchhaltungssystem und kein Ortungssystem», heißt es in einem Bericht des Bundesdatenschutzbeauftragten. Nach 24 Stunden würden alle Kontrolldaten in der Brücke gelöscht - unabhängig davon, ob in den Datensätzen Daten potenzieller Mautpreller enthalten sind oder nicht.