Hintergrund: Der Werkzeugkasten der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll vor allem für stabile Preise im Euroraum sorgen. Mittelfristig streben die Währungshüter eine Inflationsrate von «unter, aber nahe bei 2,0 Prozent» an.

Auch die Wirtschaftspolitik soll die EZB unterstützen, wenn das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt wird. Für ihre Aufgaben hat die EZB viele Instrumente. Einige sind umstritten.

VERBALE INTERVENTION: Äußerungen der obersten Währungshüter legen Marktteilnehmer auf die Goldwaage. Schon sehr vage Aussagen können Käufe oder Verkäufe auslösen. Im Sommer 2012 beruhigte EZB-Präsident Mario Draghi mit wenigen Worten in der Schuldenkrise die Finanzwelt.

LEITZINS: Der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen, ist die wichtigste Stellschraube. Das Geld kommt in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbraucher an und kann das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Den Leitzins im Euroraum senkte die EZB auf das Rekordtief von 0,05 Prozent.

WECHSELKURSE: Indirekt hat die Zentralbank über den Leitzins Einfluss auf Wechselkurse. Je nach Zins wird eine Währung attraktiver oder weniger attraktiv für internationale Anleger. Notenbanken können aber auch über Währungskäufe eingreifen. So kaufte die Schweizer Notenbank bis vor kurzem massiv Euro, um den Kurs des Franken auf einem bestimmten Niveau zu halten. Das wurde aber nun zu teuer.

EINLAGEZINS: Normalerweise bekommen Banken Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der EZB parken. Inzwischen müssen 0,2 Prozent Strafzinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe stärken.

NOTKREDITE: In der Krise gewährte die EZB den Banken mehrfach Kredite mit außergewöhnlich langen Laufzeiten von bis zu drei Jahren. Doch viele Institute kauften mit dem billigen Geld gut verzinste Staatsanleihen. Für neue Notkredite gab es daher die Bedingung, dass Banken das Geld zumindest teilweise an Unternehmen und Privatkunden weiterreichen. Das Interesse an solchen Geldspritzen war verhalten.

QUANTITATIVE LOCKERUNG: Über breitangelegte Käufe privater und öffentlicher Wertpapiere («Quantitative Lockerung»/QE) können Notenbanken gewaltige Summen frisches Zentralbankgeld in Umlauf bringen. Dieses Geld kommt im Idealfall über die Banken bei Unternehmen und Verbrauchern an und wirkt so als Konjunkturspritze.