Historische Begegnung: Patriarch trifft Papst

Der Ostkirchen-Experte Thomas Bremer sieht in dem heutigen Treffen von Papst Franziskus mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen in Kuba einen Meilenstein, warnt aber vor zu großen Erwartungen.

Historisch sei die Begegnung, «weil es noch immer große Vorbehalte in der russischen orthodoxen Kirche gegen Rom gibt, die noch längst nicht ausgeräumt sind», sagte der Professor für Ökumene und Ostkirchenkunde an der Universität Münster der Deutschen Presse-Agentur. Der Papst nutze die Ökumene - also den Dialog der christlichen Konfessionen -, um bei den Themen Gerechtigkeit, Armut und Frieden weitere Mitstreiter zu gewinnen.

Konflikte um die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion belasteten das Verhältnis zwischen Moskau und Rom, erläuterte der Experte. Die griechisch-katholische Kirche hat eine orthodoxe Liturgie, erkennt aber den Papst als Oberhaupt an. «Gelöst ist dieser Konflikt nach russischer Ansicht noch immer nicht. Das war aber eigentlich für die russische Kirche die Voraussetzung für ein Treffen.» Umso bedeutsamer sei die Begegnung, indes: Eine Lösung theologischer Probleme sei dabei nicht zu erwarten.

Franziskus und Kirill wollen am Freitagabend (20.15 Uhr MEZ) in Havanna miteinander sprechen. Ein Schwerpunkt soll die Christenverfolgung in Nahost, Afrika und Asien sein. Fast 1000 Jahre nach der Kirchenspaltung ist es das erste Treffen eines katholischen Papstes mit einem russisch-orthodoxen Patriarchen.