Historischer Handschlag in Panama

Stadt (dpa) - Von jahrzehntelanger Feindschaft zu neuer, noch ungewohnter Freundschaft: Nach einer demonstrativen Begrüßung per Handschlag zum Auftakt des Amerika-Gipfels wollen US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro zu einem ersten direkten Gespräch zusammenkommen.

Medien beider Länder unterstrichen die historische Dimension dieser mit Spannung erwarteten Unterredung, nachdem beide Staaten im Dezember überraschend eine Annäherung eingeleitet hatten. Das sozialistische Kuba nimmt erstmals überhaupt an einem Amerika-Gipfel teil.

«Historic Meet and Greet» (Historisches Treffen und Begrüßen), kommentierte der Sender NBC den Händedruck der beiden Staatschefs in Panama. «Obama und Castro schreiben Geschichte», titelte eine Reihe von US-Medien. Ein «bedeutender Augenblick» in den Bemühungen beider Länder, die Beziehungen nach jahrzehntelanger Feindschaft wiederherzustellen, schrieb «The Hill».

«Einer der Höhepunkte des Tages war die Begrüßung zwischen Raúl und Obama», meinte das kubanische Parteiorgan «Granma» und erinnerte daran, dass sich die beiden Staatschefs schon im Dezember 2013 am Rande des Begräbnisses von Nelson Mandela in Südafrika begrüßt hatten. Allerdings legte «Granma» den Akzent des Berichts weniger auf die Zusammenkunft der beiden Politiker als auf die Tatsache, dass der Gipfel in Panama zum ersten Mal überhaupt «alle 35 Nationen der Hemisphäre» zusammengebracht habe.

Noch kurz vor der offiziellen Gipfeleröffnung und einem Staatsdinner am Freitagabend (Ortszeit) hatte Obama laut Weißem Haus auch kubanische Oppositionellen getroffen. Obama nahm an einem Forum der Zivilgesellschaften aus ganz Lateinamerika und der Karibik teil, im Anschluss sei er mit den kubanischen Oppositionellen Manuel Cuesta Morúa und Laritza Diversent sowie 13 weiteren Aktivisten zusammengekommen.  

Es sei das erste Mal, «dass die 35 unabhängigen Nationen unserer Hemisphäre am selben Tisch zusammenkommen», sagte der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza, zum Gipfelauftakt. Er empfinde «große Freude bei diesem historischen Augenblick». UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bedankte sich bei Obama und Castro für die Annäherung.

Erstes Ziel der Normalisierung auf der Schiene zwischen Washington und Havanna ist die baldige Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und die Eröffnung von Botschaften. Allerdings geht es bei der Botschaftseröffnung langsamer voran als zunächst geplant. Obama-Berater Ben Rhodes sagte, es gebe noch praktische Fragen.

Auch eine Entscheidung Washingtons, Kuba von der US-Terrorliste zu streichen, steht noch aus. «Wir sind noch nicht soweit», sagte Rhodes. Zunächst müsse das Weiße Haus eine Empfehlung des State Departments prüfen. Es gab aber auch Spekulationen, dass die USA einen solchen Schritt bereits in Panama bekanntgeben könnten.

Seit der kubanischen Revolution und der folgenden Enteignung amerikanischer Firmen vor mehr als 50 Jahren unterhalten Havanna und Washington keine diplomatischen Beziehungen. Doch trotz massiver Sanktionen sowie Mordversuchen des US-Geheimdienstes hielt sich Revolutionsführer Fidel Castro an der Macht. Erst 2006 übergab der heute 88-Jährige die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl (83). Fidel Castro ist schwer krank und nicht beim Gipfel in Panama dabei.  

Unklar ist, wann die USA ihre Sanktionen aufheben werden, mit der sie das sozialistische Regime über Jahrzehnte auszuhungern versuchten.