Hitze in Malaysia: Tortur für Mensch und Maschine

Trinken, trinken, trinken! In der Sauna von Sepang müssen die Formel-1-Rennfahrer besonders viel Flüssigkeit aufnehmen, um den Tropen-Grand-Prix bewältigen zu können. Eine Affenhitze, hohe Luftfeuchtigkeit und der unberechenbare Monsun fordern Mensch und Maschine extrem.

Hitze in Malaysia: Tortur für Mensch und Maschine
Diego Azubel Hitze in Malaysia: Tortur für Mensch und Maschine

Die tropische Hitze und die permanent hohe Luftfeuchtigkeit sind für Mensch und Maschine extrem hohe Belastungen. Am Rennsonntag ist die Tortur in der Sauna von Sepang besonders groß. Da sind 56 Runden auf dem vom Aachener Architekten Hermann Tilke entworfenen 5,543 Kilometer langen Kurs zu bewältigen. Das entspricht 310,408 Kilometer Dauerstress ohne eine leichte Abkühlung durch einen kühlen Windhauch.

Beim Rennen am Sonntag, das um 15.00 Uhr (09.00 Uhr MESZ) lokaler Zeit gestartet wird, sollen laut Prognose Temperaturen um die 30 Grad und etwa 75 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen. Die Qualifikation am Samstag beginnt erst um 17.00 Uhr (10.00 MESZ). Aber da soll es auch noch fast 30 Grad heiß sein und die Luftfeuchtigkeit über 80 Prozent betragen. Bei den beiden jeweils eineinhalbstündigen Trainingseinheiten am Freitagvormittag und -nachmittag sind ebenfalls über 30 Grad angesagt bei allerdings nicht so extremer Schwüle. Sebastian Vettels Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen beschrieb die klimatischen Bedingungen einmal so: «Es ist wie in einer finnischen Sauna, aber das 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche.»

Wann und wie stark es während des Formel-1-Events regnen wird, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Es kann sein, dass es plötzlich wie aus Kübeln schüttet, es kann aber auch sein, dass direkt während des Trainings und des Rennens kein Tropfen fällt. 2009 hatte sintflutartiger Monsunregen sogar zum Abbruch des Grand Prix geführt.

Die meisten sind nach dem Saisonauftakt in Australien nicht mehr nach Europa - oder woher sie sonst kommen - zurückgeflogen. Sie versuchen, sich durch eine möglichst frühe Anreise nach Malaysia oder ein witterungsmäßig vergleichbares Land optimal zu akklimatisieren. Zudem gewöhnen sie ihren Körper mit systematischem Trinken an den extremen Verlust von Körperflüssigkeit. Die Fahrer steigern ihren Getränkekonsum stetig auf bis zu vier, fünf, sechs Liter am Tag. Der ehemalige Formel-1-Pilot David Coulthard sagte einmal: «Ich versuche, vor Hitzerennen sechs Liter zu mir zu nehmen. Am Start sollte dir die Blase platzen.»

Nur Wasser reicht bei über 30 Grad und mindestens 50 Prozent Luftfeuchtigkeit nicht, um den bis zu vier Liter betragenden Verlust an Körperflüssigkeit im bis zu 60 Grad heißen Cockpit auszugleichen. Ein Spezialmix mit einer hohen Konzentration an Elektrolyten soll den hohen Abbau von Mineralien und Salzen ausgleichen. So häufig wie möglich nuckeln die Piloten schon vor dem Start an ihren Flaschen. Die im Rennwagen installierten Pullen fassen etwa 1,2 Liter und sind während des Grand Prix nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Force-India-Pilot Nico Hülkenberg berichtete: «Ich lege meine Unterwäsche in den Gefrierschrank, nehme sie fünf Minuten vor dem Anziehen heraus und klopfe sie vorher weich. Das ist dann sehr angenehm.» Ansonsten lassen sich die Piloten vor dem Start von einem Teammitglied mit einem Schirm vor der Sonne wenigstens ein bisschen schützen. Zudem halten sie sich so oft wie möglich in gekühlten Bereichen auf.

Eine Dehydrierung kann für die Fahrer folgenschwere Konsequenzen
haben. Mediziner wiesen darauf hin, dass zwei Prozent Verlust der
Körperflüssigkeit zu Konzentrationsstörungen führen. Bei über
fünf Prozent sinke die Leistungsfähigkeit um rund ein Drittel.
Fernando Alonso wäre vor ein paar Jahren nach einem Sieg in Sepang auf dem Podest beinahe kollabiert, weil während des Rennens die
Trinkflasche nicht funktioniert hatte. «Wenn du nachher aus dem Auto
aussteigst, rasselt der Blutdruck in den Keller. Du hast Gummibeine
und fühlst dich sehr schwach», schilderte er später seinen Zustand.