Hitze - und ihre Schattenseiten

Wer Hitze liebt, muss in diesem Sommer in den Ferien nicht verreisen. In Süddeutschland ist es zeitweise heißer als am Mittelmeer.

Hitze - und ihre Schattenseiten
Uwe Zucchi Hitze - und ihre Schattenseiten

Mit 40,3 Grad ist 2015 schon zweimal die höchste Temperatur in Deutschland seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen vor 134 Jahren gemessen worden - zuletzt am Freitag wieder im fränkischen Kitzingen, wie bereits am 5. Juli. Seit Wochen gibt es Sonne satt hierzulande, das mag Urlaubern gefallen. Aber dieses Wetter hat auch Schattenseiten:

TROCKENHEIT: In vielen Regionen ist es nicht nur heiß, sondern es hat auch viel zu wenig geregnet. Zahlreiche Grünanlagen sind braun, Rasenflächen verdorrt. Jeder dritte im Frühjahr frisch gepflanzte Baum droht zu vertrocknen - heißt es zumindest über die Wälder in Hessen. Auch ausgewachsene Bäume haben Probleme und werden anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Im Schlosspark von Potsdam-Sanssouci sorgen sich die Gärtner um jahrhundertealte Bäume, viele davon aus der Zeit von Preußenkönig Friedrich dem Großen (1712-1786). «Für Pflanzen und Grünflächen ist das Wetter purer Stress», sagt der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Frank Kallensee.

GESUNDHEIT: Für den menschlichen Organismus ist Hitze eine Riesenbelastung. Das Herz leiste Schwerarbeit, und zwar Tag und Nacht, sagt Medizinmeteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Um den Körper zu kühlen, wird Schweiß produziert und auf die Haut geleitet. Dort verdunstet er und sorgt für Kühlung. Ohne Wind - wenn die Luft «steht» - fließt er in Strömen am Körper hinunter, die Kühlung funktioniert dann nicht. Ein Kreislaufkollaps droht. Grätz rät, bei Hitze mindestens doppelt so viel zu trinken wie sonst. Um das Herz nicht zu überfordern, sollte man sich langsam bewegen und wenn möglich in der größten Mittagshitze eine Siesta machen.

ALGEN: Mit den steigenden Wassertemperaturen wachsen in vielen Badeseen Algen besonders stark und verwandeln das Wasser in eine schleimige Brühe. Im Buga-See in Kassel etwa ist deshalb das Baden verboten. Bestimmte Blaualgen können nach Angaben der Stadt Giftstoffe enthalten. Hautreizungen und im Einzelfall auch ernste Gesundheitsprobleme seien möglich. Auch an einigen Seen in Schleswig-Holstein trüben Blaualgen und Saugwürmer das Badevergnügen.

WESPEN: Sie werden im Spätsommer lästig, und in diesem Jahr gibt es wegen der Wärme besonders viele der schwarz-gelben Insekten. Bis zu 2000 Tiere können nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu in einem Nest leben. Wenn die Entwicklung der Brut abgeschlossen ist und die Arbeiterinnen keine Larven mehr füttern müssen, kommen sie Menschen besonders nah. Sie fliegen dann auf Süßes. Angst vor Stichen ist aus Sicht von Experten aber eigentlich unbegründet: Wespen verfolgten immer eine Abwehr- und nie eine Angriffsstrategie. Stiche sind in der Regel ungefährlich, falls keine Allergie vorliegt. In diesem Fall aber können schwere Reaktionen bis zur Bewusstlosigkeit auftreten, so dass der Notarzt gerufen werden muss. Bis zu drei Millionen Menschen sind nach Angaben von Medizinern der Universitätsklinik Frankfurt allergisch gegen Insektenstiche.

BADETOTE: «Wenn es draußen sehr heiß ist, kann es in tieferem Wasser mehr als 20 Grad kälter sein als an der Luft», sagt ein Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Der Kreislauf könne kollabieren. «Wer bewusstlos ist und nicht atmet, der kann leicht ertrinken.» Deshalb sollten sich Badende vor dem Sprung ins Wasser abkühlen. Außerdem rät er: «Nicht den Helden spielen und zu weit rausschwimmen, nach Besonderheiten der Gewässer fragen - also tiefere Stellen, Strömung oder Strudel; und die Kombination von Wasser, Alkohol und Hitze ist keine gute Idee.» Im vergangenen Jahr sind in deutschen Gewässern laut DLRG 391 Menschen ums Leben gekommen.

UNWETTER: Hitze ist eine Bedingung für schwere Unwetter. Tennisballgroß können Hagelkörner werden, die sich in Gewitterwolken bilden. Hagel entsteht laut DWD, wenn in Gewitterwolken heftige Aufwinde kleine Wassertröpfchen nach oben wirbeln. Dort gefrieren sie zu Eis und fallen abwärts. Dann geht es im Aufwind wieder retour nach oben, die kleinen Eiskörnchen nehmen Wassertröpfchen mit, die dann die zweite Eisschicht bilden. Wenn der Aufwind die Hagelkörner nicht mehr tragen kann, fallen sie zu Boden. Schwerpunktregionen für Hagel sind laut DWD der «Südwesten, Sachsen, das Erzgebirge und Berlin».

TROCKENE FLÜSSE UND SEEN: Wenn Regen ausbleibt, bekommt die Schifffahrt Probleme. Frachtschiffe können bei Niedrigwasser weniger laden. Der nordhessische Edersee verliert derzeit täglich fast zwei Millionen Kubikmeter Wasser. Mit dem Wasser, das er abgibt, wird der Pegel auf der Weser für die Schifffahrt konstant gehalten. Ohne Niederschläge könnten in eineinhalb Wochen viele Schiffe nicht mehr fahren, sagt Odo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden. Auch am Mittelrhein sinkt der Wasserspiegel. An der Elbe wird derzeit extremes Niedrigwasser registriert, der Fluss führt so wenig Wasser wie seit 51 Jahren nicht mehr, die Schifffahrt ist ausgebremst. Auch kleine Flüsse in Sachsen seien vom Austrocknen bedroht - «Fische und Pflanzen bekommen dann richtig Stress», sagte Uwe Höhne, Leiter des Landeshochwasserzentrums in Sachsen.

WALDBRÄNDE: Hitze und Trockenheit haben die Waldbrandgefahr fast überall in Deutschland dramatisch verschärft: Für Freitag rief der DWD in Teilen des Südens und Ostens die höchste Gefahrenstufe aus, anderswo galt die zweithöchste Gefahrenstufe. Auch auf Wiesen besteht Brandgefahr. «Beim Grasbrand sind ungemähte Grasflächen mit verdorrten Grasresten gefährdet», sagte eine DWD-Expertin. Schon ein Funke könne reichen, um eine solche Fläche zu entzünden.