«Hoch lebe das Kino!» - Manoel de Oliveira gestorben

Er drehte schon zur Stummfilmzeit und dachte bis zuletzt nicht an Ruhestand. Manoel de Oliveira, oft mit dem Attribut «ältester aktiver Filmregisseur der Welt» versehen, antwortete noch vor einem Vierteljahr auf die Frage, ob er Pläne für neue Filme habe: «Natürlich.»

«Hoch lebe das Kino!» - Manoel de Oliveira gestorben
Ian Langsdon «Hoch lebe das Kino!» - Manoel de Oliveira gestorben

Am Donnerstag ist der Portugiese, dessen Œuvre mehr als 50 Filme umfasst, im biblischen Alter von 106 Jahren in seiner Heimatstadt Porto gestorben.

Nicht nur für Liebhaber des Autorenkinos war de Oliveira stets aktuell - auch die Größen der Filmwelt lagen ihm zu Füßen. «Er ist eine Naturgewalt», sagte US-Star John Malkovich über ihn. «Hoch lebe das Kino!», rief de Oliveira mit fester Stimme, als ihm im vergangenen Dezember zu seinem 106. Geburtstag der höchste französische Orden verliehen wurde, der Grand Officier de la Légion d'Honneur. Als «genialer Regisseur» mit «radikaler Modernität» wurde er damals gewürdigt.

Sein letzter Film «O Velho do Restelo» (der Alte aus Restelo) wurde im September 2014 in Venedig uraufgeführt. In dem Kurzfilm ließ de Oliveira portugiesische Literatur-Ikonen verschiedener Jahrhunderte wie Luís de Camões, Teixeira de Pascoaes und Camilo Castelo Branco wiederauferstehen und bei einem Treffen mit der Roman-Figur Don Quijote über Gott und die Welt sinnieren. «Eine Reflexion über die Menschheit», wie der Regisseur sagte.

De Oliveira sprühte auch im hohen Alter nur so vor Arbeitswut, Lebensfreude und Kampfeswille. Er legte sich mit den Mächtigen an, kritisierte die Sparpolitik der Regierung in Lissabon und legte in jüngsten Werken den Finger in die Wunde der Krise in seiner rapide verarmenden Heimat. «Seine Energie ist unglaublich, morgens vor Drehbeginn ist er jeden Tag Schwimmen gegangen», staunte die italienische Filmdiva Claudia Cardinale, die in «Gebo und der Schatten» (2012) neben Michael Lonsdale und Jeanne Moreau eine der Hauptrollen spielte.

De Oliveira wurde am 11. Dezember 1908 in Porto in einer reichen Familie geboren - nur 13 Jahre, nachdem die Brüder Lumière in Frankreich die Kinotechnik erfunden hatten. Die Karriere des einstigen Sportlers, Autorennfahrers und Portweinwinzers begann 1930 mit einem Stummfilm über den Fluss Douro, dem ersten einer ganzen Reihe von Dokumentarfilmen.

Sein erster Spielfilm, «Aniki-Bobó» (1942), erzählt eine melodramatische Liebesgeschichte unter Straßenkindern und löste in Portugal Proteste wegen angeblicher Amoralität aus. Weitere bekannte Werke sind «Der Leidensweg Jesu in Curalha» (1963), , «Am Ufer des Flusses» (1993), «Reise zum Anfang der Welt» (1997), «Ich geh nach Hause» (2001) und «Die Eigenheiten einer jungen Blondine» (2009).

«Meine Energie bekomme ich von den Sternen», versicherte de Oliveira einmal. Er drehte mit Stars wie Catherine Deneuve, Malkovich oder Marcello Mastroianni. Bei seinen Filmen führte er nicht nur Regie, sondern war fast immer auch beim Drehbuchschreiben, beim Schnitt und als Produzent aktiv. «Wenn ich keine Filme mehr drehe, langweile ich mich und dann sterbe ich», hatte er immer wieder gesagt.

Für sein Lebenswerk erhielt der Filmpoet 2004 in Venedig den «Goldenen Löwen» und 2007 den Ehrenpreis der Europäischen Filmakademie. Insgesamt wurde er mit über 50 Auszeichnungen überhäuft, 2009 bekam er auch die Berlinale-Kamera. Viele Kenner stellten de Oliveira auf eine Stufe mit Film-Granden wie Luis Buñuel, Jean-Luc Godard oder Federico Fellini. Wim Wenders, der de Oliveira in seinem Film «Lisbon Story» (1994) auftreten ließ, bezeichnete den Portugiesen einmal als «größtes Vorbild».

De Oliveira war seit 1940 mit Maria Isabel Brandao de Meneses de Almeida Carbalhais verheiratet und hatte vier Kinder.