Hockey-Damen mit Penalty-Pech Zweite - Herren gefrustet

Die Vormachtstellung der deutschen Hockey-Teams in der Halle ist gebrochen. Erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaft unter dem Hallendach sind die erfolgsverwöhnten DHB-Teams beim Kampf um den Titel leer ausgegangen.

Hockey-Damen mit Penalty-Pech Zweite - Herren gefrustet
Hendrik Schmidt Hockey-Damen mit Penalty-Pech Zweite - Herren gefrustet

Spielführerin Katharina Otte & Co. erreichten zwar bei der Heim-WM in Leipzig das Endspiel, mussten sich aber den Niederlanden nach großem Kampf 0:1 (1:1, 1:0) im Penaltyschießen geschlagen geben. Das bei den vorherigen drei WM-Championaten stets erfolgreiche Herren-Team um die Doppel-Olympiasieger Moritz Fürste und Tobias Hauke patzte einmal und wurden nach einem 13:2 (5:2)-Torfest gegen Iran frustrierter Dritter.

«Was für ein großartiger Fight. Ich hätte unseren Damen den Titel so gegönnt», sagte DHB-Präsident Stephan Abel nach dem Finale ohne Happy End ebenso begeistert wie enttäuscht. Dennoch können die DHB-Damen stolz sein, denn sie sind bei der Heim-WM als Hauptattraktion für das eigentliche Flaggschiff des DHB, das Herren-Team, in die Bresche gesprungen. Zurecht wurden die Vizeweltmeisterinnen von den Fans begeistert gefeiert. «Unsere Damen sind als Olympia-Siebte in London und Achte bei der Feld-WM 2014 viel gescholten worden. Deshalb ist es schön, dass jetzt auch sie mal im Mittelpunkt stehen», sagte Abel.

Dass die deutschen Herren nicht wie allgemein erwartet zum vierten Mal triumphierten, wertet Abel «auf keinen Fall» als Beinbruch. «Es ist vielleicht sogar ganz gut, dass die Dominanz der Herren mal einen kleinen Dämpfer erhalten hat», meinte der scheidende DHB-Chef, der kürzlich zum DOSB-Vizepräsidenten aufgestiegen ist. Die Siegesserie endete nach einem Halbfinalkrimi: Aus einem 1:4 machten die Deutschen gegen die Niederlande ein 4:4, doch das Penaltyschießen endete 1:2.

Was lief schief gegen Oranje? Nach sechs klaren Siegen (54:21 Tore) leisteten sich Fürste & Co. eine lausige erste Halbzeit mit vielen Abwehrschwächen. Coach Stefan Kermas, der Cheftrainer Markus Weise vertrat, nahm Tobias Walter für den indisponierten Felix Reuss ins Tor, die anderen starteten die Aufholjagd. Allerdings ohne Happy End, denn Fürste und Fabian Pehlke patzten im Penaltyschießen. Das 13:2 zum Abschluss gegen Iran, bei dem Alexander Otte (19 Turniertreffer) sich mit fünf Toren zum besten DHB-Schützen machte, war kein Trost. «Die Enttäuschung überwiegt, wir wollten den Titel», gab Fürste zu.

Mit sieben Erfolgen (42:8 Tore) gelangten die Damen ins Endspiel. Dort brachte Otte Deutschland per Siebenmeter (8.) in Führung, die ihre Hamburger Teamkollegin Frank mit zwei gehaltenen Siebenmetern sicherte. Trotz einer leidenschaftlichen Abwehrschlacht und ihrer Torfrau in Weltklasseform fiel zwei Minuten vor Schluss das 1:1. Im fälligen Penaltyschießen konnten Kristina Hillmann, Luisa Steindor und Franzisca Hauke den Ball nicht im Tor unterbringen. «Ich bin stolz, meine Mädels stolz», meinte Bundestrainer Mülders, der «mit Optimismus» in das Olympia-Qualifikationsjahr geht.