Hoffenheim happy - Gisdol: «Adrenalin bis unters Dach»

Roberto Firmino riss sich sein Trikot vom Leib und feuerte es auf den Rasen. Einer der ersten Gratulanten beim Matchwinner von 1899 Hoffenheim war Trainer Markus Gisdol, der an der Außenlinie entlang zum brasilianischen Torschützen sprintete.

Hoffenheim happy - Gisdol: «Adrenalin bis unters Dach»
Uwe Anspach Hoffenheim happy - Gisdol: «Adrenalin bis unters Dach»

Später musste Gisdol über sich selbst lächeln. «Rollladen runter und dann merkst du nichts mehr in diesem Moment. Da kannst du keinen Puls messen. Adrenalin bis unters Dach», sagte der 45-Jährige nach dem 3:2 (1:0)-Sieg in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt über seinen Gefühlsausbruch in der 87. Minute und zuckte mit den Schultern: «Das ist okay, da muss es raus. Warum soll ich da stehen bleiben und den Linienrichter umarmen?»

So fröhlich und ausgelassen die Hoffenheimer am Ende auf dem Platz tanzten, so bitter hatte die Partie für die Gastgeber begonnen - «fast tragisch», wie es Gisdol formulierte. U21-Nationalspieler Niklas Süle war bei einem Zweikampf mit Haris Seferovic umgeknickt und musste mit Verdacht auf einen Kreuzbandriss vom Feld getragen werden. Der Innenverteidiger wurde zur Untersuchung in die Uni-Klinik Heidelberg gebracht, am Samstagmorgen stand die Diagnose noch aus. «Wir befürchten eine schwerere Verletzung», sagte Gisdol.

«Der Sieg ist auch für ihn», meinte Süles Nebenmann Ermin Bicakcic nach dem Abpfiff. Nach zuletzt drei Niederlagen in vier Spielen mussten die Hoffenheimer allerdings bis zum Umfallen kämpfen, um den Höhenflug der Eintracht-Adler mit zuletzt drei Siegen zu beenden. «Extrem ausgeprägt», so Gisdol, sei der Wille seiner Profis gewesen. «Es freut mich ungemein, dass wir dieses Spiel gewonnen haben.»

Jedenfalls war wieder einmal einiges geboten in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Und Gisdol, der in dieser Saison die Balance zwischen Defensive und Offensive besser hinkriegen wollte, seufzte nach dem Abpfiff: «Wir sind einfach keine Mannschaft für ein 1:0.» Die Unterhaltungskünstler aus dem Kraichgau und die Frankfurter zeigten vor allem in der Schlussphase eine turbulente Begegnung.

Vor 28 331 Zuschauern war Frankfurts Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand bei seinem Bundesliga-Comeback nach gut einem Jahr im Oberhaus und seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte bei den beiden ersten Gegentoren durch Kevin Volland (43.) und Adam Szalai (65.) machtlos. Die Eintracht aber steckte nie auf und kam durch Stefan Aigner (58.) und Haris Seferovic (77.) zweimal zurück, ehe Firmino kurz vor Schluss traf und die Gelbe Karte für seinen überschwänglichen Torjubel billigend in Kauf nahm.

«Es war ein unheimlich intensives Spiel mit einem glücklichen Ende für uns. Ich bin erstmal erleichtert», gestand Hoffenheims Fußball-Chef Alexander Rosen. Andreas Beck wollte sich erst gar nicht darüber ärgern, dass die Hoffenheimer wieder einmal ein mitunter vogelwildes Spiel hingelegt hatten. «Es hat heute Spaß gemacht», meinte der Kapitän. «Ich glaube, dass es ein Stück unserer Identität ist, dieses Risiko.»