Hoffnung auf Einigung über Griechenland-Hilfen

In Griechenland gehen die Gespräche mit den Geldgebern über neue Hilfskredite offensichtlich auf die Zielgerade. Die Unterhändler arbeiteten «Tag und Nacht», um eine Übereinkunft zu erzielen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler EU-Kommission.

Hoffnung auf Einigung über Griechenland-Hilfen
Orestis Panagiotou Hoffnung auf Einigung über Griechenland-Hilfen

Geld soll Athen wie schon in der Vergangenheit nur gegen konkrete Spar- und Reformzusagen erhalten.

Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos rechnete nach Informationen des Staatsfernsehens (ERT) damit, dass die Verhandlungen bis zum späten Montagabend oder in den frühen Morgenstunden des Dienstag beendet sein könnten. Tsakalotos informierte am Montagnachmittag Regierungschef Alexis Tsipras über den Stand der Verhandlungen.

In Brüssel hieß es, eine Einigung werde in den nächsten 24 bis 36 Stunden erwartet. Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, gilt ein Treffen der Eurogruppe am Freitag als wahrscheinlich. Die Bundesregierung blieb dagegen zurückhaltend.

Gelingt eine Übereinkunft, müssten darüber noch das griechische Parlament, der Bundestag sowie die Volksvertretungen einiger anderer Staaten der Eurozone abstimmen.

Die Verhandlungen gingen am Montag weiter. Daran beteiligt sind Vertreter der griechischen Regierung und Experten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) des Internationalem Währungsfonds (IWF) und des Euro-Rettungsschirms ESM. Das Dokument mit den Grundrissen des Hilfsprogrammes sei bereits zu mehr als der Hälfte fertig und im Einvernehmen aller Seiten niedergeschrieben worden, hieß es am Mittag während einer kurzen Verhandlungspause aus Kreisen des Finanzministeriums.

Aus Berlin kamen dagegen vorsichtigere Töne: «Warten wir ab, wie die Verhandlungen weiter laufen», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Eine Einigung müsse zuverlässige Grundlage für das auf drei Jahre angelegte neue Programm sein. «Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit», sagte Seibert.

Bis 20. August muss das hoch verschuldete Land Geld bekommen, um 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen zu können. Ein drittes Hilfspaket soll bis zu 86 Milliarden Euro umfassen. Gelingt die Einigung nicht, müssten Vorbereitungen für eine weitere Brückenfinanzierung vorangetrieben werden.

Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat beliefen sich die griechischen Schulden im ersten Quartal des Jahres auf 301 Milliarden Euro. Die Schuldenagentur des Landes bezifferte das Defizit Ende März auf 313 Milliarden Euro. In einem Ausschuss des griechischen Parlaments war kürzlich von 320 Milliarden Euro die Rede.

Deutschland ist nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle ein großer Gewinner der Krise in dem Land. Von 2010 bis heute habe die Bundesrepublik wegen der in Folge der Krise gesunkenen Zinslasten rund 100 Milliarden Euro eingespart, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie. «Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise - selbst dann, wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde», erklärte das Leibniz-Institut. «Deutschland hat also in jedem Fall von der Griechenlandkrise profitiert.»