Hoffnung auf Erfolg: Tscharnke will Tour de Ski nutzen

Tim Tscharnke wird langsam ungeduldig. Dem als Hoffnungsträger für den deutschen Männer-Langlauf hochgehandelten Thüringer läuft die Zeit davon. Dabei wollte Tscharnke längst die Qualifikationsnorm für die nordischen Ski-Weltmeisterschaften im Februar in Falun geschafft haben.

Hoffnung auf Erfolg: Tscharnke will Tour de Ski nutzen
Kay Nietfeld Hoffnung auf Erfolg: Tscharnke will Tour de Ski nutzen

Stattdessen muss der Biberauer nun alle Kraft in die am 3. Januar in Oberstdorf beginnende Tour de Ski legen. Wohl wissend, dass die Sieben-Etappen-Tour immer irgendwelche Überraschungen parat hält - positive, aber auch negative.

In der Saison 2009/2010 ging der Stern des Tim Tscharnke auf. Ein völlig überraschender zehnter Platz beim Tour-Sprint in Prag brachte dem damals 21-Jährigen die Olympia-Nominierung. Ebenso überraschend stellte der damalige Bundestrainer Jochen Behle Youngster Tscharnke für den olympischen Team-Sprint an der Seite von Axel Teichmann auf. Das Duo schrammte nur ganz knapp am Olympiasieg vorbei und holte Silber.

Doch die Tour de Ski hielt auch Negativ-Erlebnisse für Tscharnke bereit. Krankheiten sorgten dafür, dass er entweder vorzeitig aussteigen musste oder gar nicht erst antreten konnte. Einstellige Etappen-Platzierungen finden sich in Tscharnkes Chronik überhaupt nicht.

Das soll, das muss sich nach seiner Meinung ändern. «Ich hoffe, dass ich mich in Livigno und Davos mit einem Trainingslager noch rechtzeitig in Schuss bringen konnte. Denn nach einem fast reibungslosen Sommer sollte eigentlich etwas mehr an guten Resultaten rausspringen als in den vergangenen Wochen», bemerkte der mittlerweile 25-Jährige.

Der Zollhauptwachtmeister war nämlich stark wie selten in seiner Karriere aus der Saisonvorbereitung gekommen. «Wahrscheinlich lief es zu gut. Keine großen Verletzungen, keine Krankheiten. Ich konnte so viel trainieren wie sonst nie», erzählte Tscharnke. Was fehlte, war die Lockerheit.

Als dann auch noch ein unverschuldeter Sturz in Lillehammer eine vordere Platzierung zunichtemachte, war es mit der Geduld vorbei. Er nahm sich selbst aus dem Wettkampfgeschehen. «Ich musste etwas Abstand bekommen und mich neu motivieren», sagte er. Doch ein 38. Platz beim Wiedereinstieg in Davos war erneut ein Rückschlag für den bislang letzten deutschen Weltcup-Sieger. Am 13. Dezember 2012, seinem 23. Geburtstag, gewann er im kanadischen Canmore ein 15-Kilometer-Rennen.

«Wir haben viel mit Tim gesprochen. Wichtig ist, dass er die Barriere in seinem Kopf überspringt. Ich denke, da ist er auf einem guten Weg. Gute Leute können sich durchbeißen, das sieht man gerade bei den Stars wie Cologna, Northug oder Legkow. Sie weichen schwierigen Situationen nicht aus. Tim schafft das auch», sagte Bundestrainer Frank Ullrich, der die Hoffnung auf Tscharnkes Durchbruch nicht aufgegeben hat.

Die Tour mit ihren diesmal vielen klassischen Distanzen könnte dem ehrgeizigen Thüringer in die Karten spielen. Auch dem ganzen Männer-Team, das nach den Rücktritten von Tobias Angerer, Axel Teichmann und Jens Filbrich derzeit völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist, würden Tour-Erfolge den dringend benötigten Auftrieb geben.