Hoffnung nach Dacheinsturz in Riga schwindet

Mindestens 53 Menschen sind bei dem Dacheinsturz eines Einkaufszentrums in Riga ums Leben gekommen und noch immer werden mehr als zehn Menschen vermisst. Zwei Tage nach dem Unglück suchten die Rettungskräfte in einem Wettlauf gegen die Zeit nach Überlebenden.

Das sagte Polizeichef Ints Kuzis im lettischen Fernsehen. Ein Expertenteam sollte am Samstag entscheiden, ob die Suche trotz der Einsturzgefahr fortgesetzt werden kann. Bei der Bergung der Opfer waren auch drei Feuerwehrmänner getötet worden. Mehr als 20 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt. In Lettland begann eine dreitägige Staatstrauer.

«Wir haben immer wieder beim Räumen innegehalten, um Klopfzeichen und andere Lebenszeichen zu hören» sagte ein Sprecher des Rettungsdienstes der lettischen Nachrichtenagentur Leta. «Aber seit mehr als acht Stunden gab es keinerlei Lebenszeichen». Angehörige von Vermissten, die seit dem Unglück am Donnerstagabend versuchten, die Mobiltelefone ihrer Freunde oder Familienmitglieder zu erreichen, blieben ebenfalls ohne Antwort. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Am Unglücksort versammelten sich bangende Angehörige und Menschen, die mit Blumen oder Kerzen ihre Trauer ausdrücken wollten. Einige standen mit rotgeweinten Augen an der mit Nationalfahnen und Blumen geschmückten Absperrung. Andere wollten die Helfer unterstützen, mit heißem Tee oder mit Keksen, wie sie die Rigaerin Irina Lebedeva verteilte. «Das ist eine noch nie dagewesene Katastrophe», sagte Lebedeva. Ein orthodoxer Priester spendete Trost.

Antons Ryakhins war zu der Unglücksstelle zurück gekehrt - ihm war beim Einbruch des Dachs in letzter Minute die Flucht gelungen. «Ich stand in der Schlange an der Kasse, als das Dach plötzlich einbrach», erzählte der 19-Jährige. «Alles passierte innerhalb weniger Sekunden. Es war dunkel, aber noch hell genug, um den Ausgang zu sehen. Ich rannte raus. Die Türen waren offen, aber davor fielen viele Trümmer runter. Deshalb war vielen der Weg versperrt. Einer meiner Freunde verlor seine Mutter.» Im Supermarkt seien zum Unglückszeitpunkt etwa 100 Menschen gewesen, schätzte er. Einen Alarm habe er nicht gehört.

Staatspräsident Andris Berzins forderte im lettischen Fernsehen, die Schuldigen für die Katastrophe zur Verantwortung zu ziehen. Ein Team unabhängiger Experten aus dem Ausland müsse unverzüglich gebildet werden. Die Mitglieder dürften in keiner Weise mit der Bauwirtschaft des Landes verbunden seien.

An allen öffentlichen Gebäuden in Lettland wurde die Nationalflagge mit Trauerflor auf halbmast gesetzt. Eishockeyspiele, Konzerte und Theatervorstellungen wurden abgesagt. Die Solidarität unter den Menschen ist groß. Für eine Hilfsaktion zugunsten der Opfer kamen innerhalb von zwei Tagen umgerechnet mehr als 120 000 Euro zusammen. Auch den Aufrufen zu Blutspenden folgten viele.