Hongkong: Konfrontation vermieden - Neue Verhandlungen?

Die Hongkonger Regierung und die Studenten ringen um einen Dialog über den Ausweg aus der bisher schwersten Krise in Chinas Sonderverwaltungsregion. Erste Vorgespräche scheiterten in der Nacht zum Montag.

Hongkong: Konfrontation vermieden - Neue Verhandlungen?
Dennis M. Sabangan Hongkong: Konfrontation vermieden - Neue Verhandlungen?

Die friedlichen Demonstrationen für mehr Demokratie in der früheren britischen Kronkolonie dauern an. Erstmals kehrte aber wieder etwas Normalität in der asiatischen Finanz- und Wirtschaftsmetropole ein.

Die Regierung und Schulen konnten ihren Betrieb wieder aufnehmen, nachdem die Studenten ein Ultimatum der Regierung erfüllt hatten und wie gefordert zumindest einen Teil ihrer Blockaden geräumt hatten. Ungehindert konnten 3000 Regierungsbeamte wieder zur Arbeit gehen. Auch die Mittelschüler in betroffenen Gebieten konnten wieder zum Unterricht kommen. Grundschulen und Kindergärten blieben geschlossen.

Hunderte Demonstranten campierten unverändert nahe des Regierungssitzes sowie an zwei anderen Protestorten und blockierten Hauptverkehrsadern. Es gab weiter starke Verkehrsbehinderungen. Die seit mehr als einer Woche anhaltenden Proteste hatten sich an Beschlüssen des Pekinger Volkskongresses entzündet. 2017 soll demnach zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong erlaubt sein. Eine freie Nominierung der Kandidaten wird den Hongkongern aber verweigert.

Die Studentenvereinigung warf der Regierung vor, ihre Bedingungen für die geplanten Gespräche nicht erfüllen zu wollen. So etwa die Forderung nach mehreren Dialogrunden und einer «Umsetzung» der Ergebnisse. «Wir hoffen, dass die Gespräche nicht nur eine Plauderei oder Konsultationen werden», sagte Studentenführer Lester Shum. Ihr einziges Ziel sei, die politischen Probleme zu lösen.

Die Aktivisten diskutierten auch einen möglichen Abzug vom Regierungssitz oder sogar ein grundsätzliches Ende der Proteste. «Der Ball liegt im Spielfeld der Regierung», sagte Studentenführer Alex Chow auf die Frage, wann die Proteste enden würden. «Wir alle warten und schauen, wie die Regierung handelt, um zu sehen, ob das Verzögerungstaktik ist oder ob sie wirklich einen Dialog führen wollen», sagte der Führer der Studentenvereinigung.

Regierungschef Leung Chun-ying hatte bis Montagfrüh ultimativ ein Ende zumindest eines Teils der Blockaden gefordert, damit die Regierung wieder arbeiten könne. Er hatte vor einer Eskalation gewarnt und die Entschlossenheit bekräftigt, «alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen».

Die Zahl der Demonstranten ging am Montagmorgen spürbar zurück, weil viele arbeiten gehen mussten oder einfach erschöpft waren. Viele Hongkonger machten sich wegen der Verkehrsbehinderungen früher auf den Weg zur Arbeit. Hauptverkehrsstraßen vor allem nahe des Regierungssitzes in Amiralty und in Causeway Bay auf der Insel Hongkong oder im belebten Geschäftsviertel Mong Kok auf der gegenüberliegenden Halbinsel Kowloon waren weiter blockiert.

Die Hongkonger Finanzmärkte öffneten am Montag wie gewohnt. Auch machten viele Banken in den betroffenen Gebieten wieder auf. Nur sieben Filialen seien noch geschlossen, berichtete die Regierung. Auch einige der Geldautomaten, die wegen der Proteste ihren Dienst einstellen mussten, seien wieder normal zu benutzen.