Hörmann: «Größte Gefahr ist Gleichgültigkeit» 

DOSB-Chef Alfons Hörmann sieht die größte Gefahr für die Ablehnung einer deutschen Olympia-Bewerbung in der Gleichgültigkeit der Bürger.

Hörmann: «Größte Gefahr ist Gleichgültigkeit» 
Matthias Balk Hörmann: «Größte Gefahr ist Gleichgültigkeit» 

«Mich bewegt die Frage, wie lassen sich wesentliche Teile der Bevölkerung zum Gang an die Urne bewegen. Die größte Gefahr - das ist mein Bild aus der Münchner Konstellation - ist eine gewisse Gleichgültigkeit oder nicht Nichtwahrnehmung des Projektes», erklärte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Hörmann stellt klar, dass bei der im kommenden Jahr geplanten Bürgerbefragung zum Thema Olympia die einfache Mehrheit ausreichen würde. «Da müssen wir ausnahmsweise mal formal agieren. In dem Punkt muss die klassische quantitative Mehrheit ausreichen, um zu sagen: Wir tun das», sagte er. «Wenn wir nicht 50,01 Prozent erreichen, dann müssen wir sagen: Wir lassen es.» Klar ist für ihn jedoch: «Unser Ziel muss es natürlich sein, dass weit mehr als 50 Prozent Zustimmung herrscht. Im Laufe der Zeit müsste - wenn man es gut macht und kommuniziert - die Zustimmung zunehmen.»

Bei der Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Dresden steht der Grundsatzbeschluss über das weitere Vorgehen auf dem Plan. Hörmann erwartet keinen gravierenden Widerstand aus den Verbänden. «In der Versammlung selbst wird es wohl keine grundsätzliche Diskussion mehr geben. Das schließt aber nicht aus, dass alle dort offen ihre Meinung äußern können», meinte Hörmann, der vor knapp einem Jahr das Präsidentenamt im Dachverband des deutschen Sports übernommen hatte.

Die bisherigen Reaktionen aus dem Kreis der Spitzenverbände signalisierten überwiegend Zustimmung: «Die waren offen, klar, transparent - Ergebnis war: ja, der Weg ist plausibel.» Bisher hat noch keine Stadt eine Kandidatur für die Spiele 2024 eingereicht. Bewerbungen werden von einer US-Metropole (Los Angeles, San Francisco, Washington oder Boston), Istanbul, Doha, Paris und Rom erwartet. Der Olympia-Ausrichter für 2024 wird 2017 gewählt.

Hörmann kündigte an, dass es im Februar durch den DOSB eine weitere Umfrage analog zu der im September erfolgten Befragung geben wird. «Wir wollen bei gleicher Fragestellung sehen, wie sich das Bild in den beiden Städten verändert.» Zuletzt sprachen sich in der Hansestadt 53 Prozent der Befragten für Spiele in der eigenen Stadt aus, in Berlin waren es nur 48 Prozent.

Obwohl es in einem Gespräch mit Olympia-Gegnern in Berlin zu keiner Annäherung kam, vertritt Hörmann die Überzeugung: «Gegenkampagnen können wirklich helfen. In Garmisch waren bei der Bewerbung Münchens für 2018 die Diskussionen sehr heiß, und wir haben dennoch bei der Bürgerbefragung 58 Prozent Zustimmung erhalten. Als für die Bewerbung für 2022 die strittigen Themen ausgeräumt waren, gab es einen negativen Beschluss. Das lag daran, dass viele Bürger das Thema schlichtweg kalt gelassen hat und viele nicht zur Abstimmung gegangen sind.» Gespräche mit Olympia-Gegner in Hamburg seien «zu gegebener Zeit» gleichfalls geplant, räumte Hörmann ein.

Auf die häufig ins Gespräch gebrachte Frage, ob es nicht demokratischer sei, erst die Bürger zu befragen und dann die Entscheidung zu fällen, antwortete Hörmann: «Das wäre für uns die charmante Variante gewesen, dass ein Fall wie München nicht mehr eintreten kann. Aber beide Städte waren der Meinung, dass nur in der Stadt, die vom DOSB ausgewählt wird, die Befragung stattfinden soll.» Damit werde eine Befragung nicht ad absurdum geführt in dem Fall, dass es in beiden Städten Zustimmung gegeben hätte.

Auf die jüngst von IOC-Präsident Thomas Bach angesprochene Thematik, ob Bürgerbefragungen überhaupt ein taugliches Rezept seien, hat Hörmann für Deutschland gemeinsam mit Berlin und Hamburg schon reagiert. «Wir haben klar und messerscharf die Antwort gegeben: Ohne diese Form der Zustimmung der Bürger wird es ein Projekt Olympia nicht geben. Das darf den IOC-Präsidenten in seiner weltweiten Betrachtung nicht davon abhalten, den richtigen Weg zu diskutieren.»

Unterdessen hält er Bachs 40 Vorschläge zur Reformierung des IOC vom Grundsatz her «für einen kraftvollen Schritt in eine neue Zukunft». Jedoch lasse die Agenda nicht zu, von einer gemeinsamen Bewerbung Berlins und Hamburgs zu träumen. «Grundsätzlich verändert sich nichts an der olympischen Idee: Es wird weiter nur ein Zentrum mit einem olympischen Dorf geben. Der Kern der Spiele muss an einer Stelle erhalten bleiben.»

Hörmann lobte den Umgang der Bewerberstädte miteinander. «Zwischen beiden Städten gibt es keinen Allergiefaktor oder irgendwie den großen Krieg. Es gibt kein größeres Kompliment, was man beiden Städten machen kann, als dass es - von ein, zwei weniger freundlichen Äußerungen abgesehen - in der gesamten Frage der Präsentation und Kommunikation absolut fair gelaufen ist.»