HSV-Führung berät über Ablösung von Trainer Zinnbauer

Beim Hamburger SV berät die Führungstroika über die Zukunft von Trainer Josef Zinnbauer.

HSV-Führung berät über Ablösung von Trainer Zinnbauer
Malte Christians HSV-Führung berät über Ablösung von Trainer Zinnbauer

Nach sechs sieglosen Spielen und dem erneuten Absturz auf den Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga wollten sich Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer, Direktor Profifußball Peter Knäbel und Direktor Sport Bernhard Peters mit dem zuletzt glücklosen Trainer treffen. Eine Bestätigung war dafür vom Verein nicht zu erhalten. «In den Gesprächen müssen wir glaubhaft von dem Plan überzeugt sein, den wir diskutieren», zitierte die «Bild am Sonntag» Peter Knäbel.

Nach übereinstimmenden Medienberichten ist die Trennung von Zinnbauer nach nur gut sechs Monaten als Chefcoach sehr wahrscheinlich. Obwohl beim HSV die Spieler das eigentliche Problem sind, weil sie kein Team bilden. «Es gibt keine Tabus», hatte Sportchef Knäbel mit Blick auf das zwar lange geplante, angesichts der sportlichen Misere aber zum Krisengipfel gewordene Gespräch erklärt. Trotz eines Vertrags bis 2016 spricht viel für das Aus für Zinnbauer. Dann hätte der HSV in den 18 Jahren seit 1997 bereits den 18. Trainer verschlissen.

Zinnbauer war erst am 16. September 2014 auf Mirko Slomka gefolgt, mit dem der HSV im Sommer in der Relegation knapp den Klassenverbleib geschafft hatte. Als potenzielle Zinnbauer-Nachfolger sind HSV-Europapokal-Held Thomas von Heesen, der 1983 mit dem Nordclub den Landesmeister-Pokal gewonnen hat, und selbst Knäbel im Gespräch, der die Fußballlehrer-Lizenz besitzt. Ex-HSV-Profi und -Trainer Bruno Labbadia dürfte für die Rolle als Feuerwehrmann nicht bereit sein.

Knäbel hatte schon nach der 0:1-Heimpleite gegen den Mitkonkurrenten Hertha BSC ein klares Bekenntnis zum Coach vermissen lassen. «Wir werden in den nächsten Tagen alles analysieren und uns auf die acht Spiele ausrichten.» Er fügte aber hinzu: «Es ist nicht so, dass wir jetzt nur über den Trainer richten. Wir werden mit ihm darüber sprechen, was zu tun ist», betonte er. «Ich mag keine Leute, die irgendwelche Treueschwüre machen, und an Tag eins zaubern sie plötzlich jemanden aus dem Hut. Es kann nicht sein, dass man nicht weiß, was man tun würde, wenn man in eine andere Richtung geht.»

Eigentlich gefällt dem Vorstand die Vorstellung von Fußball, die Zinnbauer vertritt: Offensive Spielweise plus Einbindung eigener Talente. Im Abstiegskampf ist jedoch alles anders. Das HSV-Team ist verunsichert. Da reicht eine Standardsituation wie gegen Hertha, als Sebastian Langkamp in der 84. Minute einköpfte und der HSV wieder mit leeren Händen dastand. «Ich glaube nicht, dass die Qualität fehlt», sagte Zinnbauer, der sich vor die Mannschaft stellte. Ihm selbst geht es nur um den Nichtabstieg des Liga-Dinos: «Es geht nicht um mich, es geht um den HSV. Ich verspüre nach wie vor Rückendeckung.»

Gegen den 44-Jährigen spricht neben der jüngsten Sieglosserie auch die Tatsache, dass keine sportliche Weiterentwicklung erkennbar ist. Zwar gelang es dem früheren U23-Coach, abgesehen von der 0:8-Schlappe bei Bayern München, die Defensive zu stabilisieren. Dagegen ist die HSV-Offensive mit der katastrophalen Ausbeute von 16 Treffern und dem traurigen Vereins-Negativrekord von 15 Partien ohne eigenen Torerfolg das große Problem, wie selbst Ersatzkapitän Johan Djourou einräumt.

«Wir reden über den Trainer, aber wir Spieler müssen mehr machen», so der Schweizer Nationalspieler. Auch Verteidiger Dennis Diekmeier beteuerte: «Jeder weiß, dass wir hinter Joe Zinnbauer stehen. Er ist ein sehr ehrgeiziger Trainer und gibt immer Gas.» Für die HSV-Oberen reicht dies aber wohl nicht für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit.

Zinnbauers Berliner Kollege Pal Dardai wirkte nach dem Dreier dagegen wie befreit. «Das war ein wahnsinnig wichtiger Schritt in die richtige Richtung», sagte der Ungar. Entscheidend sei jetzt, dass das nächste Hertha-Heimspiel gegen Paderborn gewonnen wird - danach sei man aus dem Gröbsten raus. In der Punktspiel-Pause könne er nun beruhigt seinem Zweitjob als Nationaltrainer Ungarns nachgehen.