Hunderttausende bei Parade der Schwulen und Lesben in Berlin

Tausende Schwule und Lesben haben in Berlin mit einer großen Straßenparade zum Christopher Street Day (CSD) gegen gesellschaftliche Diskriminierung demonstriert. Unter dem Motto «Schluss mit Sonntagsreden» zogen sie vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor.

Hunderttausende bei Parade der Schwulen und Lesben in Berlin
Wolfgang Kumm

Am Straßenrand verfolgten Schaulustige den bunten Umzug mit 50 Wagen und dutzenden Fußgruppen. Die Veranstalter sprachen von 700 000 Menschen. Nach Angaben der Polizei feierten sie ausgelassen und friedlich.

Zu den CSD-Forderungen gehörten eine rechtliche Gleichstellung von Regenbogenfamilien und die Trennung von Kirche und Staat. Das Spektakel, das zum 35. Mal durch die Hauptstadt zog, war lange nicht mehr so politisch. Die CDU durfte diesmal nicht mit einem eigenen Wagen mitfahren. Wegen ihres Kurses bei der Gleichstellung von Schwulen und Lesben war die Partei von den Veranstaltern ausgeschlossen worden. Allerdings war die LSU, die Untergruppe der Schwulen und Lesben in der Union, mit einem Wagen dabei.

In CDU und CSU lehnen viele eine völlige rechtliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Partnerschaften trotz eindeutiger Verfassungsgerichtsurteile weiterhin ab. Vor der CDU-Bundeszentrale stoppte der CSD-Umzug und die Menge startete ein lautes Pfeifkonzert. «Ehe-Verbot für CDU/CSU-Mitglieder» und «Falscher Dampfer, Frau Merkel» stand auf Transparenten. Einer Doppelgängerin der CDU-Vorsitzenden mit Merkel-Pappgesicht wurden Handschellen angelegt. Dann wurde sie von zwei Demonstranten in roter Richterrobe symbolisch abgeführt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei richtig, gegen «verfehlte Politik» zu protestieren. Ob man mit dem Ausschluss eines Wagens beziehungsweise einer Partei reagieren sollte, sei aber eine andere Frage. 2012 hatte Wowereit die CSD-Parade noch mit dem CDU-Landesvorsitzenden Frank Henkel eröffnet, der diesmal auf eine Teilnahme verzichtete.

Der Landesvorsitzende der LSU, Martin Och, bezeichnete den Ausschluss der Union als «fatales Signal». Wer für Akzeptanz und Toleranz werbe, müsse auch andere Meinungen akzeptieren, sagte Och und sprach von einer einseitigen «Wahlkampfmasche».

Der CSD erinnert an einen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeirazzien 1969 in der Christopher Street in New York. Seitdem gehen Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle jedes Jahr weltweit für ihre Rechte auf die Straße.