Hunderttausende Taifun-Opfer warten auf Hilfe

Zwei Tage nach dem verheerenden Taifun «Haiyan» warten im Katastrophengebiet auf den Philippinen Hunderttausende Menschen dringend auf Hilfe. Das Rote Kreuz sprach von mindestens 1000 Toten, aber Helfer fürchten bereits eine weitaus höhere Zahl.

Hunderttausende Taifun-Opfer warten auf Hilfe
Dennis M. Sabangan Hunderttausende Taifun-Opfer warten auf Hilfe

Offiziell meldet der Katastrophenschutz am Sonntag erst eine Zahl von 151 Toten. Mindestens 800 000 Menschen waren vor dem Taifun geflohen. Mehr als eine Million dürften ihr Dach über dem Kopf verloren haben.

Weil Flughäfen zerstört, Häfen beschädigt und Straßen verschüttet sind kommen Helfer nur langsam voran. Abgelegene Inseln waren auch am Sonntag noch von der Außenwelt abgeschnitten. Innenminister Mar Roxas sprach von einer großen menschlichen Tragödie.

«Die Schäden sind überwältigend», sagte Energieminister Jericho Petilla, früher Gouverneur der schwer betroffenen Provinz Leyte im Rundfunk. «Wir haben keinen richtig funktionierenden Flughafen in der Region.» Er sei zum Verzweifeln. Die Provinzhauptstadt Tacloban mit 220 000 Einwohnern ist schwer betroffen.

«Die Zerstörung in Tacloban ist schockierend», berichtete Praveen Agrawal vom UN-Welternährungsprogramms (WFP) nach einem Besuch. Die Organisation will 40 Tonnen angereicherte Energiekekse aus Dubai einfliegen. Sie haben sich in Desasterzonen, wo nicht gekocht werden kann, bewährt. Sie enthalten nach WFP-Angaben pro 100 Gramm 450 Kilokalorien und mindestens 10 Gramm Proteine.

Tower und Flughafengebäude von Tacloban wurden zerstört. Auf dem Rollfeld konnten nur Militärmaschinen landen. Helfer schlagen sich zu Fuß und mit Mopeds durch, um die Stadt und andere entlegene Ortschaften zu erreichen. Ein Einkaufszentrum in Tagliban wurde nach einem Bericht des Nachrichtensenders ANC geplündert. Viele Polizisten hätten selbst Hab und Gut verloren und seien deshalb nicht auf Posten, sagte der nationale Polizeisprecher Reuben Sindac dem Sender. 120 Beamte aus Manila würden jetzt zur Verstärkung eingeflogen.

Das Rote Kreuz rief im ganzen Land zu Spenden auf und suchte nach Freiwilligen, um kleinere Nothilfepakete für Familien zusammenzupacken. Die lokale Logisticfirma 2Go bot umsonst Transport auf seinen Frachtern an. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel haben unter anderem auch Neuseeland, Australien und die USA Hilfe zugesagt.

Die Organisation I.S.A.R. Germany (International Search and Rescue) aus Duisburg schickte 24 Ärzte, Pfleger und Rettungsassistenten. Sie sollen rund 100 Menschen pro Tag medizinisch zu versorgen. Deren Partner-Organisation Action Medeor hatte Medikamente dafür gepackt.