IAA: Elektromobilität wirbelt Autobranche durcheinander

Elektroautos und die wachsende Vernetzung der Fahrzeuge sollen den lahmenden Automarkt in Europa wieder in Schwung bringen. Die neuen Trends wirbeln die Branche gewaltig durcheinander.

Jetzt gelte es, die automobile Welt zu öffnen und mit der IT-Industrie zusammenzubringen, sagte Christian Senger, Manager beim Autozulieferer Continental, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa auf der IAA in Frankfurt.

«Die Automobilindustrie ist ein geschlossener Club über Jahrzehnte gewesen - sehr stark dominiert aus der mechanischen Welt», sagte der Conti-Forschungschef für Autoelektronik. Das werde sich jetzt ändern. Der Dax-Konzern arbeitet seit kurzem mit dem Netzausrüster Cisco und dem Technologieriesen IBM zusammen.

Der Autobauer Ford lehnt im Wettbewerb um die Antriebstechnologie der Zukunft eine frühzeitige Festlegung auf Hybride oder reine Elektrofahrzeuge ab. «Wir setzen auf beide Pferde», sagte Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes. Der Ford Focus ist bereits als reiner Elektrowagen auf der Straße, 2014 komme der C-Max als Plug-in-Hybrid, und die nächste Mondeo-Generation werde auch als Vollhybrid angeboten.

Vorerst traut Mattes den Mischantrieben aber mehr zu: «Wir sind der Auffassung, dass Hybridfahrzeuge volumenmäßig bei den Elektrifizierten den deutlich größeren Anteil einnehmen werden, auch mittel- und langfristig.» Ford habe alle Technologien und könne seine Entwicklung und Produktion flexibel an die Nachfrage anpassen.

Toyota sieht die steigende Zahl von Hybridmodellen anderer Hersteller als Chance für den eigenen Absatz. «Wir sind sehr glücklich, dass in den letzten Monaten seit der Automesse in Genf immer mehr Hersteller Hybrid oder Plug-in-Hybrid als beste Lösung bezeichnen und nun eigene Modelle auf den Markt bringen», sagte Deutschland-Präsident Toshiaki Yasuda. Für Toyota sei das gut, weil Kunden nun erkennen würden, dass der alternative Antrieb nicht so exotisch und die Technik schon heute nutzbar sei. «Dadurch wächst die Nachfrage. Das wird unseren Absatz fördern.»

Auch Continental setzt große Hoffnungen in die neuen Trends. Auf Leichtlauf getrimmte Hightech-Pneus sind eine der Stärken der Hannoveraner. Nach einer beispiellosen Durststrecke auf Europas Reifenmärkten rechnet der Dax-Konzern für das nächste Jahr mit der Rückkehr zur Normalität. «Für 2014 gehen wir davon aus, dass wir tendenziell wieder ein normales Reifenjahr haben - vielleicht etwas gedämpft», sagte Conti-Reifenvorstand Nikolai Setzer. Normal seien drei bis vier Prozent Wachstum in Europa - nächstes Jahr sollen laut seiner Prognose zumindest zwei bis drei Prozent drin sein.

Unterdessen nehmen die Autobauer Daimler und Renault-Nissan nach einer großen Kooperations-Offensive bei ihrer Zusammenarbeit den Fuß vom Gas. «Es gibt genug Potenzial für uns, um weiterzumachen», betonte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn auf der IAA. Zu nahe kommen wollen sich beide allerdings nicht: «Die Identität der Marken muss gesichert sein.»

Die beiden Hersteller arbeiten den Angaben zufolge inzwischen an zehn gemeinsamen Projekten. Neu hinzu kam am Mittwoch jedoch nur eines: Daimlers asiatische Nutzfahrzeug-Tochter soll künftig mit einem Transporter von Nissan beliefert werden.

Entscheidungen über bereits erwartete Kooperationen ließen die Partner auf der IAA in der Schwebe - darunter Pläne für eine künftige Produktion des Kompaktwagens CLA in einem mexikanischen Nissan-Werk. Daimler und Renault-Nissan hatten ihre Zusammenarbeit im April 2010 begonnen.