IAA in Frankfurt: Brasilien lockt die Oberklasse

Die Autokrise in Europa wird die deutschen Oberklassehersteller noch einige Zeit beschäftigen. Frühstens in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres sei eine Erholung zu erwarten, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt.

«In diesem Jahr sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels.» Die Krise könne aber die Branche auch noch drei oder sogar fünf Jahre beschäftigen. Immerhin, damit ist Reithofer etwas zuversichtlicher als noch zu Jahresbeginn.

Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche und Audi-Boss Rupert Stadler erwarten keinen schnellen Aufschwung. Schlechter jedenfalls dürfte es nicht mehr werden. «Wir glauben, dass die Talsohle in Europa erreicht ist», sagte Zetsche. Richtig ausbremsen konnte die Flaute in vielen europäischen Ländern die drei Oberklassehersteller aber ohnehin kaum - die Konzerne glänzen mit Absatzrekorden - Amerika und Asien sei Dank. «Insgesamt, weltweit gesehen, haben wir eine stabile Situation», sagte Stadler. Und auch in Europa lief es nicht überall schlecht.

Doch vor allem in den USA und in China reißen die Kunden den drei deutschen Nobelmarken die Autos nach wie vor schier aus den Händen. Doch auch in anderen Boomregionen erhoffen sich Daimler, BMW und Audi kräftige Zuwächse. Neben Russland oder Indien richten sich die Augen der Hersteller vor allem auf Brasilien. Nach BMW prüfen auch Audi und Daimler den Bau von Fabriken dort. Doch die Investitionen haben auch einen profanen Grund: Mit hohen Einfuhrzöllen zwingt der Staat die Hersteller zur Errichtung einer eignen Produktion im Land.

Die Zölle schmerzen, erhöhen sie doch die Fahrzeugpreise enorm. Bei BMW brachen die Verkäufe 2012 nach der Erhöhung um fast die Hälfte ein. Doch auch der Markt lockt. Mit dem Aufschwung wächst der Wohlstand in Brasilien und damit auch die Lust auf teure Autos. «Brasilien wird ein Pkw-Markt mit fünf Millionen Fahrzeugen pro Jahr», sagte Reithofer. Daimler-Chef Zetsche rechnet damit, dass es noch 2013 eine Entscheidung geben wird. Die Fabrik solle dann in weniger als drei Jahren die Produktion aufnehmen können. Auch Audi will noch im Laufe des Jahres entscheiden, sagte Stadler.

Von Turbulenzen in den sogenannten BRIC-Staaten, also in Brasilien, Russland, Indien und China dürfe man sich nicht einschüchtern lassen, sagen alle drei Konzernlenker. «Ein Engagement in Brasilien müssen Sie langfristig betrachten», sagte Reithofer. Auch Audi-Chef Stadler warnte davor, die Probleme in manchen BRIC-Staaten überzubewerten. «Man darf sich nicht beeindrucken lassen durch irgendwelche kurzfristigen Turbulenzen.»