«Icke» Häßler in die 8. Liga: «Andere Aussichten hatte ich nicht»

Sogar ein Roter Teppich war ausgerollt vor dem italienischen Autohaus im Berliner Norden. Doch der ehemalige Welt- und Europameister Thomas «Icke» Häßler wählte - unbewusst symbolisch - den Eingang durch die Hintertür.

«Andere Aussichten hatte ich nicht. Wichtig ist für mich, dass ich endlich wieder auf dem Platz stehe und etwas tun kann», sagte der 101-malige Nationalspieler bei der Vorstellung als neuer Coach beim Fußball-Bezirksligisten Club Italia.

Seinen Job als Achtliga-Coach vom Sommer an sieht Häßler nicht als Abstieg, sondern als persönliche Chance. Sein letztes Engagement als Technischer Direktor beim iranischen Club Padideh Maschad war schon im Mai vergangenen Jahres unschön zu Ende gegangen war. Der 49-Jährige wartet noch heute auf seine Bezahlung. «Es war eine gute Erfahrung. Aber ich musste auch viele negative Dinge erleben», berichtete Häßler. Auch die Spieler bekamen sieben Montae kein Geld.

«Ich versuche das Positive mitzunehmen», betonte Häßler, der als einer der besten Techniker in der deutschen Fußball-Historie gilt. 1990 in Italien gewann er mit dem DFB-Team die WM, sechs Jahre später in England die EM. Am Montag durfte «Icke» seinen Ruhm und seine noch immer große Popularität wieder ein wenig genießen: Von der großen Reporterschar ließ sich Häßler mit grauer Kapuzenjacke sogar noch zu einem gestellten Foto auf dem Roten Teppich überreden.

Auch wenn der neue Job weit weg ist von Champions League oder Bundesliga-Glitzer: Häßler liebt den Fußball. Die Angebote, auch nach seiner aktiven Zeit in dem Geschäft weiterzumachen, blieben selten. Bei seinem Ex-Club 1. FC Köln durfte er einige Jahre als Technik-Trainer arbeiten. Mit dem einstigen Bundestrainer Berti Vogts coachte er die Nationalmannschaft Nigerias.

«Meine Frau und ich wollten umziehen, München oder Berlin waren die Option. Es ist natürlich schön, wenn man das eine mit dem anderem verbinden kann», erklärte der Rückkehrer zur neuen Symbiose von Familie und Beruf: «Zu Hause sitzen können wir alle.» Als Überbrückung seiner schwierigen fußballlosen Zeit nahm der einstige Star schon TV-Engagements an wie bei «Ewige Helden» auf VOX und «Let’s dance» bei RTL.

Fast hätte es schon 1997 mit einer Anstellung bei einem Club seiner Geburtsstadt geklappt. Kurz nachdem Dieter Hoeneß bei Hertha BSC als Manager angetreten war, hatte er eine prominente Verstärkung für den damaligen Erstliga-Aufsteiger gesucht - der Deal aber kam nicht zustande. 19 Jahre später kehrt er nun zurück - in die Bezirksliga: «Ich bin dankbar, hier Cheftrainer zu werden, das ist eine tolle und spannende Aufgabe.» Große Resonanz hat die Nachricht bei seinen früheren Mitspielern nicht ausgelöst. «Pierre Littbarski hat mich angerufen und gratuliert. Da habe ich mich sehr gefreut.»

Der Club Italia will mit dem neuen prominenten Trainer «so schnell wie möglich hoch» in die 3. Liga, erklärte der Sportliche Leiter Eric Meissner und setzte als Zeitraum acht bis zehn Jahre an. Für Häßler heißt das, «entweder länger zu bleiben, oder es gibt dann andere Möglichkeiten, wenn wir gut arbeiten». Natürlich geht der einstige Fan-Liebling mit dem äußerst ambitionierten Projekt auch ein Risiko ein. Es ist nicht der erste Versuch des italienisch-stämmigen Vereins, in Berlin mit am großen Fußball-Rad zu drehen.