Ifo-Chef sieht kräftiges Wachstum für 2014

Die deutsche Wirtschaft kann nach Einschätzung des Ifo Instituts zum Jahreswechsel wieder auf kräftiges Wachstum hoffen: Getragen von der starken Binnenwirtschaft dürfte das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um 1,9 Prozent zulegen und damit fast fünf Mal so stark wachsen wie in diesem Jahr, erwartet das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung.

«Das ist das Geschenk vom Weihnachtsmann. Die Konjunkturaussichten für das nächste Jahr sind prächtig», sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Dienstag in München.

Unter den großen EU-Ländern habe Deutschland damit «wieder mal das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Ausbruch der Finanzkrise». Sinn warnte allerdings vor den Folgen des gesetzlichen Mindestlohns und pochte auf grundlegende Änderungen am Euro-System.

Im Gegensatz zu anderen Forschungsinstituten, die ihre Erwartungen kürzlich etwas zurückgenommen hatten, hielt das Ifo Institut seine Prognose damit stabil. In den vergangenen Monaten seien alle Annahmen so eingetroffen wie erwartet, sagte der scheidende Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex, dessen aktuelle Ausgabe das Institut an diesem Mittwoch vorlegt, habe sich in den vergangenen Monaten sehr vielversprechend entwickelt.

Wichtigste Stütze für die Konjunktur dürfte im kommenden Jahr die Binnenwirtschaft sein, die von der guten Kauflaune der Verbraucher profitiert. Auch der Aufschwung am Bau werde sich fortsetzen. Das dürfte für etwas Schwung auf dem Arbeitsmarkt sorgen, auch wenn sich zum Jahresende 2014 wohl der Fachkräftemangel bemerkbar machen werde, erwarten die Ifo-Forscher. Der vielfach kritisierte Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands dürfte sich nach Ifo-Einschätzung von 7,1 Prozent in diesem auf 7,3 Prozent im kommenden Jahr erhöhen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rechnet nach eigenen Angaben mit einem Wachstum der Metall- und Elektroindustrie um drei Prozent im kommenden Jahr. Unsicherheiten für die Konjunktur lägen allerdings noch in den «teuren Plänen der Politik».

Sorgen bereitet dem Ifo-Chef die für 2016 geplante Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. Sinn sprach von einem «Hammer» und einem «historischen Fehler», der nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorübergehen werde. Durch Mindestlöhne werde die Agenda 2010, die maßgeblich zum deutschen Jobwunder der vergangenen Jahre beigetragen habe, «rückabgewickelt», mahnte Sinn. «Alles, was wir erreicht haben am deutschen Arbeitsmarkt, wird damit zurückgedreht.»

Mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise mahnte Sinn grundlegende Reformen am Euro-System an. «Ich glaube, wir kommen letztlich nicht drumherum, eine große Schuldenkonferenz in Europa zu haben», sagte der Ifo-Chef. Dabei müsse auch über einen Schuldenerlass diskutiert werden. Zudem sollte einzelnen Ländern die Möglichkeit gegeben werden, aus der Währungsunion auszutreten und zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzutreten. Nötig sei eine «atmende Währungsunion», sagte Sinn.