Im Prozess um den Opec-Anschlag stehen die Zeichen auf Freispruch

Der Anschlag auf die Ölministerkonferenz erschütterte 1975 die Welt. Terroristen überfielen das Opec-Treffen in Wien und nahmen Geiseln.

Im Prozess um den Opec-Anschlag stehen die Zeichen auf Freispruch
Arne Dedert Im Prozess um den Opec-Anschlag stehen die Zeichen auf Freispruch

Bei einem Schusswechsel starben drei Menschen. Fast vier Jahrzehnte später hat das Landgericht Frankfurt noch einmal versucht, die schrecklichen Geschehnisse aufzurollen.

Doch vom schwerwiegenden Mordvorwurf gegen die heute 80-jährige Sonja Suder, die an den Vorbereitungen für den Anschlag beteiligt gewesen sein soll, ist die Staatsanwaltschaft im Laufe des fast 14-monatigen Verfahrens abgerückt. Die mutmaßliche Ex-Terroristin kann beim Urteil heute mit einem Freispruch rechnen - zumindest was das Opec-Attentat betrifft.

Wie auch die Verteidigung sieht die Staatsanwaltschaft eine Mittäterschaft Suders nicht als nachweisbar an. Geht es nach dem Willen der Anklagebehörde, bleibt die derzeit älteste Untersuchungsgefangene Hessens aber dennoch weiter in Haft.

Denn wegen Beihilfe zu drei Brandanschlägen Ende der 1970er Jahre in Süddeutschland fordert der Staatsanwalt drei Jahre und neun Monate Haft, die zum Teil noch nicht durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Die Verteidiger beantragten auch in diesem Komplex einen Freispruch. Völlig ausgeschlossen ist eine Verurteilung wegen Mordes trotz des gegenteiligen Antrags der Staatsanwaltschaft aber nicht.

Im Mittelpunkt der ausgedehnten Beweisaufnahme standen die beiden Belastungszeugen: Zum einen der Ex-Terrorist Hans Joachim Klein, der wegen seiner Beteiligung am Opec-Anschlag bereits im Jahr 2001 verurteilt worden war. Zum anderen ein Gesinnungsgenosse Suders, Hermann F., der bei den Vorbereitungen zu einem der Brandanschläge schwer verunglückt war.

Doch auch die mehrtägige Vernehmung des aus Frankreich eingeflogenen Zeugens Klein konnte dabei aus Sicht der Staatsanwaltschaft viele Widersprüche in früheren Aussagen nicht ausräumen. Dabei ging es unter anderem um die Einbeziehung Suders in die Vorbereitungen zum Wiener Anschlag, die unter konspirativen Umständen im Frankfurter Stadtwald stattfanden. Klein sagte unter anderem auch aus, Suder habe die Waffen nach Wien gebracht.

Hermann F. hatte Suder bereits 1978 belastet, als er kurz nach dem Sprengstoffunglück von der Polizei im Krankenhaus vernommen worden war. F., der beide Beine und sein Augenlicht verloren hatte, sei damals erheblich traumatisiert gewesen und unter rechtsstaatswidrigen Umständen befragt worden, beklagten die Verteidiger Suders. Deshalb könne die Aussage nicht für eine Verurteilung herangezogen werden.

Erst im September 2011 waren Suder und ihr Lebensgefährte (72) als mutmaßliche frühere Mitglieder der links-militanten Revolutionären Zellen von Frankreich nach Deutschland ausgeliefert worden. Der Lebensgefährte war zunächst wegen der Beteiligung an den Brandanschlägen angeklagt. Das Verfahren wurde zwischenzeitlich wegen Krankheit abgetrennt und später ganz eingestellt.