Tief "Friederike" bringt weitere Unwetter außer im Nordosten

Die Unwettergebiete im Westen und Süden können immer noch nicht aufatmen. Die Meteorologen erwarten bis über das Wochenende immer neue Gewitter. Der Norden und Nordosten bleiben wohl verschont, dort wird es sommerlich warm und trocken.

Immer neue Gewitter: «Friederike» weicht kaum vom Fleck
Sven Hoppe Immer neue Gewitter: «Friederike» weicht kaum vom Fleck

Unwettertief «Friederike» liege nahezu ortsfest über Deutschland und weiche kaum von der Stelle, sagte Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD). In der schwülwarmen Luft, die aus Südosten nach Deutschland strömt, bilden sich viele Gewitter mit Unwetterpotenzial. Weil praktisch kein Wind weht, ziehen Starkregenwolken nur sehr langsam weg, deshalb können große Regenmengen einzelne Regionen treffen.

Am Wochenende müsse in der gesamten Südhälfte - südlich einer Linie zwischen Niederrhein und Oberlausitz mit heftigen, unwetterartigen Gewittern gerechnet werden, sagte Herold. Auch Hagel sei möglich. Wo genau große Regenmengen fallen, können die Meteorologen erst kurz vorher sagen. Erst zu Beginn der neuen Woche deute sich ein Ende der gewitterträchtigen Wetterlage an.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Niederbayern haben die Menschen in den betroffenen Gebieten die Aufräumarbeiten unter Hochdruck fortgesetzt. Ein älteres Ehepaar wurden nach Polizeiangaben am Freitag noch immer vermisst. Am Donnerstagabend war der sechste Tote des Hochwassers in Simbach geborgen worden.

Auch am Freitag hatten noch nicht alle Haushalte Strom und Wasser. Am Niederrhein konnten die Menschen vorerst aufatmen: Die Lage in diesem Hochwassergebiet hat sich ein wenig entspannt, die Pegelstände sanken.

Dennoch brach am Freitagmorgen in einem unbewohnten Gebiet am Rande von Hamminklen in Nordrhein-Westfalen ein Deich. Da das Wasser durch eine vergleichsweise kleine Stelle auf angrenzende Wiesen und Acker laufe, bestehe keine größere Gefahr, sagte ein Sprecher des Krisenstabs des Kreises Wesel.

Die Orte Hamminkeln und Isselburg waren in der Nacht zum Freitag von den befürchteten Fluten verschont geblieben. Der Regen hatte den Wasserstand des Flüsschens Issel von sonst einem halben Meter vorübergehend auf mehr als zwei Meter steigen lassen. Hunderte Helfer waren im Einsatz, Zehntausende Sandsäcke wurden verbaut, weitere lagen als Reserve bereit.

In Niederbayern sind die Schäden noch lange nicht beseitigt: Im Landkreis Rottal-Inn räumten die Einwohner mit Hilfe von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk ihre Straßen und Häuser frei, die ein stinkender Schlamm überzieht. Allein im Landkreis Rottal-Inn wurde der Schaden auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert. In vielen Schulen im Landkreis fiel auch am Freitag der Unterricht aus.

Der heftige Regen, der am Mittwoch unvermittelt über die Gegend hereingebrochen war, hat zwar aufgehört. Doch für die Aufräumarbeiten ist das nicht unbedingt günstig. «Das Problem ist, dass der Schlamm rasch abgeräumt werden muss. Wenn er einmal getrocknet ist, wird er steinhart», erklärte ein Sprecher des Technischen Hilfswerks.

In den am schwersten betroffenen Städten Simbach am Inn, Triftern und Tann war stellenweise die Wasserversorgung ausgefallen. Eine gesicherte Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung hat aus Sicht des Simbacher Bürgermeisters Klaus Schmid (CSU) derzeit Vorrang bei den Aufräumarbeiten in der Hochwasserregion. «Noch ist die Wasserversorgung nicht komplett wiederhergestellt», sagte Schmid. Viele Einwohner müssten sich an Sammelstellen abgezapftes Wasser aus Containern geben lassen. Auch verfügten noch nicht alle Haushalte wieder über Strom. Für Passau hob Landrat Franz Meyer den Katastrophenfall auf, wie das Landratsamt mitteilte.

Auch in Baden-Württemberg arbeiten Menschen noch an der Beseitigung der Schäden durch das Unwetter Anfang der Woche. Die Produktion im Audi-Werk in Neckarsulm lief selbst am Freitag noch immer nicht auf vollen Touren. Die Reinigungsarbeiten seien fast abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. Teilbereiche der Produktion waren am Montag wieder angelaufen. Der starke Regen hatte in der Nacht zum Montag Teile des Audi-Werks unter Wasser gesetzt. In Baden-Württemberg waren vier Menschen durch Unwetter gestorben.