«Immer Schatten und nie Sonne» - wo die Hitze nicht hinkommt

Hauptsache kühl: Bei sengender Hitze zieht es die viele ins Wasser oder in den Schatten. Doch noch andere Orten bieten Hitzegeplagten Labsal - von angenehm kühl bis klirrekalt:

«Immer Schatten und nie Sonne» - wo die Hitze nicht hinkommt
Sven Hoppe «Immer Schatten und nie Sonne» - wo die Hitze nicht hinkommt

- TUNNELLABYRINTHE OPPENHEIM: Im rheinhessischen Oppenheim können sich Hitzescheue in die Tiefe flüchten. Dort locken gleich zwei Tunnellabyrinthe mit tausendjähriger Geschichte. «Da sind es immer 16 bis 18 Grad. Im Sommer sagen die Leute «Das ist schön kühl» und im Winter «Das ist schön warm»», sagt Walter Lang von der Oppenheim Tourismus GmbH. «Da gibt es immer Schatten und nie Sonne.» Die weitläufigen Tunnel im weichen Felsuntergrund der Kleinstadt dienten einst als Warenlager, Versteck und Müllhalde.

- FISCHMANUFAKTUR DEUTSCHE SEE: Noch kälter ist es bei Marco Filipovic: Sein Arbeitsplatz im Kühlhaus der Fischmanufaktur Deutsche See in München hat ganzjährig minus 25 Grad. «Bei uns ist es wie in Sibirien.» In diesen Tagen wird der eine oder andere Kollege - anders als sonst - ziemlich neidisch: «Die Telefonverkäufer aus dem Büro kommen schon mal runter, um sich abzukühlen.»

- ABKÜHLEN MIT KULTUR: Hinter dicken Klostermauern, in unterirdischen Stollen oder gut temperierten Ausstellungshallen bieten auch Museen eine Auszeit von der Hitze. Im Wittener Besucherbergwerk des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall etwa herrschen das ganz Jahr über zwölf Grad.

- KÄLTEKAMMER BAD KREUZNACH: Eiskalt trotz Hitzewelle bleibt es für täglich 20 bis 40 Rheumapatienten in Bad Kreuznach. Bei etwa minus 65 Grad harren sie zwischen 30 Sekunden und fünf Minuten in der Ganzkörperkältekammer des Rheumazentrums aus, wie Therapeutin Rosi Alvarez sagt. Die Kälte wirke entzündungshemmend, zudem schütte der Körper durch den Schock schmerzlindernde Glückshormone aus. Beim Öffnen und Schließen der Tür bekämen auch die Klinikmitarbeiter eine kleine Abkühlung: «Da wird es auch ein bisschen kalt.»

- ZUGSPITZE Gerade in Bayern bietet sich Hitzegeplagten ein Ausflug auf die Zugspitze an. Auf Deutschlands mit fast 3000 Metern höchstem Berg wurden am Mittwochmittag kühle 11 Grad gemessen, wie Dirk Petzner von der Gipfelstation des Deutschen Wetterdienstes berichtet. Für die Zugspitze sei das sogar eine hohe Temperatur: «Hier oben wird es selbst im Hochsommer selten wärmer als 14 bis 15 Grad.» Die Nächte sind derzeit auf der Zugspitze frostfrei: In der Nacht zum Mittwoch lag der Tiefstwert bei 6,6 Grad.

- LAGERRÄUME: Der 7-Grad-kalte Eiskeller von Bergneustadt sorgt bei Touristen während Stadtführungen für einen angenehmen Kälteschock. Rund zehn Meter unter der Altstadt hatten Bierbrauer Anfang des 19. Jahrhunderts einen Hohlraum in den Fels geschlagen, um im Schutz der Dunkelheit ihre Bierfässer zu lagern. Im Winter wurden Eisplatten aus einem Teich gewonnen und unter isolierendes Stroh geschichtet, so dass ihr Kühleffekt bis in den Sommer hinein hielt, erklärt der Leiter des Heimatmuseums, Walter Jordan. Sommer-Besucher seien «hellauf begeistert», sagt Jordan. «Wenn man aber eine Viertelstunde etwas erzählt, wird es dem ein oder anderen ganz schön kalt.»

- SKIHALLE BOTTROP: Schnee, Hütten, Skilift - das gibt es bei rund 0 Grad in der Skihalle Bottrop. «Wenn draußen 30 Grad sind, bedeutet das für uns natürlich einen höheren Aufwand», erklärt ein Sprecher mit Blick vor allem auf die Energiekosten. Einen Besucheransturm schwitzender Hitzeflüchtlinge gibt es derzeit nicht in der Halle. «Im Winter ist mehr los.» Für rund 25 Euro am Tag kann man mitten im Hochsommer einen Tag Schnee erleben.

- KIRCHEN: Besonders beliebt sind in diesen Tagen alte Kirchen mit dicken Mauern. Pilger, die sich zu Fuß durch die Hitze in den niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer gekämpft haben, sinken erleichtert auf die Bänke in der Marienbasilika. In der Regel ist es in der Wallfahrtskirche zehn bis zwölf Grad kühler als draußen.

- HÖHLEN: Eine Führung durch die kühle Dechenhöhle im Sauerland - 400 Meter rein, 30 Meter runter - kann die Schweißperlen schnell trocknen. Dort herrschen 10 Grad, also etwas mehr als normale Kühlschranktemperatur. Geschäftsführer Stefan Niggemann erklärt, warum: «Das Gestein hat die Erdtemperatur oberflächennaher Schichten dauerhaft gespeichert.»

- KAUFHÄUSER: Der Sommer hat gerade erst richtig losgelegt, da ist auf der Königsallee in Düsseldorf schon Sommerschlussverkauf - winterliche Temperaturen inklusive. Wer eines der großen Modehäusern am nördlichen Ende der Kö betritt, wird von der Klimaanlage erstmal um gute 15 Grad runtergekühlt. «Puh, hier bleibe ich», sagt eine vom Schleppen der schweren Einkaufstaschen sichtlich geschaffte Kundin. «Wenn man hier rauskommt, läuft man ja richtig vor eine Hitze-Wand», klagt eine Frau. «Da würde man am liebsten wieder rein und weitershoppen.»

- DER ICE: Werden Hitzerekorde geknackt, spielt auch die Klimaanlage in einem ICE der Deutschen Bahn eine Hauptrolle. Eigentlich eine gute Idee für die Abkühlung - allerdings nicht einwandfrei. Funktioniert die Anlage nicht, ist das Geschrei groß. Läuft sie dagegen, erreichen die Temperaturen im Großraumwagen auch schnell arktisch anmutende Werte. Im Internet erhitzen sich deshalb vor allem an heißen Tagen die Gemüter: «Breaking News - die Klimaanlage im ICE funktioniert», heißt es dort spöttisch. Oder: «Wer enteist mir meine Beine?»