Immobilienmarkt: Vonovia will Deutsche Wohnen schlucken

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will seine Führungsrolle im deutschen Immobilienmarkt weiter ausbauen.

Immobilienmarkt: Vonovia will Deutsche Wohnen schlucken
Roland Weihrauch Immobilienmarkt: Vonovia will Deutsche Wohnen schlucken

Dazu will er für rund 14 Milliarden Euro den Konkurrenten Deutsche Wohnen übernehmen. Doch damit das funktioniert, müssen zuerst die eigenen Aktionäre einer Kapitalerhöhung zustimmen - auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag in Düsseldorf. Zudem hat die Deutsche Wohnen mit einem überraschenden Milliarden-Zukauf am Freitag die Karten neu gemischt.

Worum geht es genau?

Die Nummer eins auf dem deutschen Immobilienmarkt, Vonovia, will die Nummer zwei, Deutsche Wohnen, schlucken. Dadurch entstünde ein neuer Immobilienriese mit mehr als 510 000 Wohnungen. Vonovia würde damit die eigene Marktführerschaft wohl für Jahre zementieren. Denn der neue Konzern wäre damit rund viermal so groß wie der nächste Verfolger, die Düsseldorfer LEG.

Was verspricht sich die Vonovia davon?

Vor allem mehr Gewinn. Vonovia-Chef Rolf Buch erwartet durch den Zusammenschluss Einsparungen in Höhe von rund 84 Millionen Euro - etwa durch geringere Verwaltungskosten und Kostenvorteile bei der Instandhaltung der Gebäude.

Und was soll das kosten?

Alles in allem rund 14 Milliarden Euro. Einen Großteil des Kaufpreises will Vonovia allerdings in eigenen Aktien bezahlen. Deshalb müssen die Vonovia-Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung mit Dreiviertelmehrheit einer kräftigen Kapitalerhöhung zustimmen. Tun sie das nicht, ist der Deal geplatzt. Doch es ist unklar, ob das Geld reichen wird. Die Deutsche Wohnen kaufte am Freitag für rund 1,2 Milliarden Euro überraschend mehr als 10 000 Wohnungen dazu - und machte sich damit wohl auch teurer.

Was hält die Deutsche Wohnen von den Übernahmeplänen?

Gar nichts. Ihr Chef Michael Zahn warnte erst vor kurzem die Vonovia-Aktionäre die geplante Übernahme sei «wertvernichtend» und riet ihnen dringend davon ab, den Weg für die Übernahme freizumachen. Die von der Vonovia in Aussicht gestellten Synergien seien nicht zu erzielen. Im Gegenteil, durch den Zusammenschluss seien sogar finanziell und steuerlich nachteilige Effekte sowie erhöhte Risiken zu erwarten. Der Kauf am Freitag wird als Gegenwehr gedeutet.

Und was bedeutet ein Zusammenschluss für Mieter?

Nicht Gutes glaubt der Deutsche Mieterbund. Die Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes NRW, Silke Gottschalk, warnt: «Die Übernahme der Deutschen Wohnen würde den Druck zur Kostensenkung einerseits und Steigerung der Einnahmen andererseits erhöhen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn anschließend die Mieten steigen.» Vonovia-Chef Rolf Burg sieht das ganz anders. Er verspricht, auch die Mieter würden von dem Zusammenschluss profitieren, da das neue Unternehmen mehr Geld in die Erneuerung der Wohnungen investieren könne und mehr Spielraum für den Ausbau von Dienstleistungen habe.

Ist der Weg für den Zusammenschluss frei, wenn die Vonovia-Aktionäre der Kapitalerhöhung zustimmen?

Nein. Eigentlich geht dann der Kaufprozess erst richtig los. Geben die eigenen Aktionäre grünes Licht, wird die Vonovia ihr Kaufangebot voraussichtlich Anfang Dezember offiziell vorlegen. Dann liegt es in der Hand der Deutsche-Wohnen-Aktionäre, ob sie das Angebot annehmen. Klarheit darüber dürfte es erst im Januar geben.

Wie mächtig wäre der neue Immobilienriese?

Mächtig, aber nicht übermächtig. Die große Mehrzahl der geschätzt mehr als 20 Millionen Mietwohnungen in Deutschland ist in der Hand von kleineren Privatvermietern. Professionelle Unternehmen wie große Wohnungsgesellschaften oder auch Genossenschaften und kommunale Anbieter sind in der Minderheit.