Infantino gegen FIFA-Kontrolle - Appell für Reformen

Im Endspurt um den FIFA-Präsidententhron hat Mitfavorit Gianni Infantino mit Aussagen über eine angebliche Bevormundung der Kandidaten durch den Weltverband für Aufsehen gesorgt.

Infantino gegen FIFA-Kontrolle - Appell für Reformen
Andy Rain Infantino gegen FIFA-Kontrolle - Appell für Reformen

Nach Angaben des Schweizers wolle die FIFA Einfluss auf erste Äußerungen des Siegers der Präsidentschaftswahl am Freitag nehmen. Die FIFA habe die Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter um Details aus ihren möglichen Ansprachen gebeten.

Dies bestätigte ein Sprecher des Präsidentschaftsanwärters der Deutschen Presse-Agentur nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP. Zudem hätten die Bewerber Vorschläge für Antworten in ihrer Pressekonferenz nach der Wahl beim Kongress am Freitag in Zürich erhalten. Infantino erklärte auch, er werde jedem Kontrollversuch durch die FIFA widerstehen. «Jeder kann vorschlagen, was er will. Ich werde sagen, was ich will», sagte der Schweizer.

Die FIFA wies die Darstellung zurück. Bei dem Briefing der Kandidaten am Mittwoch habe es sich um die übliche Sitzung gehandelt, bei der den Bewerbern Inhalte zu administrativen und institutionellen Themen erklärt worden seien. Verbindlich inhaltliche Vorgaben für ihre Aussagen seien bei dem Treffen mit Infantino sowieso dessen Konkurrenten Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, Prinz Ali bin al-Hussein, Jérôme Champagne und Tokyo Sexwale nicht gemacht worden.

Infantino versicherte, er werde sich nicht bevormunden lassen. «Ich bin mein eigener Herr. Ich bin es immer gewesen. Ich präsentiere ein Programm, und ich werde eine Ansprache halten.» Er könne es verstehen, wenn der Weltverband die Dinge «auf eine schweizerisch-deutsche Art» regeln wolle. «Ich weiß, wie ich damit umgehe.»

Das FIFA-Exekutivkomitee forderte die Nationalverbände in einem eindringlichen Appell auf, dem Reformpaket am Freitag zuzustimmen. «Die Augen der Welt sind in dieser Woche auf uns gerichtet nach einer der herausforderndsten Zeiten unserer Geschichte», sagte FIFA-Interimschef Issa Hayatou nach der Sitzung des Gremiums am Mittwoch in Zürich. «Die Zustimmung zu den Reformen wird eine starke Botschaft senden, dass wir zugehört haben und dass wir die notwendigen Maßnahmen treffen, um Vertrauen zurückzugewinnen und unsere Leistung zu verbessern», wurde Hayatou in einer Pressemitteilung zitiert.

Beim Kongress müssen mindestens drei Viertel der derzeit 207 Wahlberechtigten dem Reformpaket zustimmen. Nur dann können die Statuten geändert werden. Im Kern geht es um eine neue Machtverteilung und die Trennung politischer und ökonomischer Entscheidungen. So sollen künftig Korruption und Vetternwirtschaft im Weltverband verhindert werden. Ein Scheitern könnte weitreichende Konsequenzen bis zu einer möglichen Auflösung der FIFA in ihrer bisherigen Form haben.

Wie viele Verbände stimmberechtigt sind, ist noch nicht endgültig beschlossen. Eine Entscheidung über die Aufhebung der Sperren gegen Kuwait und Indonesien solle erst beim ordentlichen Kongress im Mai in Mexiko-Stadt erfolgen, empfahl das Exekutivkomitee. Bestätigt werden muss dies durch den außerordentlichen Kongress am Freitag. Folgen die Mitglieder dem Rat der Exekutive, würden kurz darauf nur 207 statt 209 Verbände den Blatter-Nachfolger küren.