Infekt stoppt Biathlon-Ass Laura Dahlmeier

Deutschlands derzeit erfolgreichste Biathletin Laura Dahlmeier muss wegen eines Infekts auf die Einzelrennen beim Weltcup in Antholz verzichten.

Die handverlesenen Fans in der Antholzer Südtirol-Arena hielten vergeblich nach Laura Dahlmeier Ausschau. Denn statt sich beim letzten Training für den Weltcup-Sprint am Donnerstag auf die körperlich anstrengende Höhe von 1600 Meter einzustellen, war Deutschlands derzeit erfolgreichste Biathletin zu Hause geblieben. Die viermalige Saisonsiegerin Dahlmeier wird, wie auch die erkältete Maren Hammerschmidt, auf die Einzelrennen in Antholz verzichten.

«Beide werden nicht starten. Das ist schade, aber die Gesundheit kommt vor jedem Erfolg. Wir wissen, was für eine Gefahr besteht, wenn man angeschlagen Wettkämpfe läuft und dann noch auf dieser Höhe. Da gehen wir kein Risiko ein», sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig am Mittwoch nach dem Training. Durch den Verzicht auf den Sprint fehlen die beiden automatisch auch in der Verfolgung, für die sich die 60 Sprint-Besten qualifizieren.

Am Vorabend sei Dahlmeier noch optimistisch gewesen, dass sie zum Training anreisen könne. «Aber heute früh hat sie uns sehr zeitig informiert, dass sich die Situation eher verschlechtert hat und dann macht natürlich ein Einsatz keinen Sinn», erklärte Hönig. Damit ruhen die Hoffnungen jetzt auf Franziska Hildebrand. «Ich weiß, ich bin gut drauf. Und deshalb kann ich morgen auch optimistisch ins Rennen gehen», sagte die 28-Jährige, die bereits zwei Sprintrennen diesen Winter gewinnen konnte.

Dahlmeier und Hammerschmidt, die zuletzt beim Heim-Weltcup in Ruhpolding in einem verrückten Staffelrennen ihr Team von Rang 15 noch auf Platz 2 nach vorne gebracht hatten, kurieren sich derweil zu Hause aus. Ob sie am Sonntag in der abschließenden Staffel dabei sein werden, steht noch nicht fest. «Wir haben uns die Option mit einem Staffeleinsatz offen gelassen», erklärte Hönig. Weil er keine Athletin aus dem IBU-Cup nachnominiert, werden in Italien in den beiden Einzelrennen neben Hildebrand nur noch Miriam Gössner, Vanessa Hinz und Karolin Horchler laufen.

Durch den Ausfall sind die Chancen Dahlmeiers, die bei den beiden Heim-Weltcups in Ruhpolding zwei Siege und einen dritten Platz gefeiert hatte, auf den Gesamtweltcup so gut wie aussichtslos. Denn bereits zum Saisonanfang musste die Staffel-Weltmeisterin wegen einer Erkältung drei Rennen auslassen. Zwar gewann die 22-Jährige vier ihrer bisher zehn Saisonrennen und holte zwei weitere Podestplätze (485 Punkte). Aber auch die führende Tschechin Gabriela Soukalova (611 Punkte) beeindruckt in diesem Winter mit einer hohen Konstanz, ihr schlechtestes Ergebnis war ein achter Rang.

Doch Dahlmeier wird diesen Rückschlag wegstecken. «Den Gesamtweltcup kann ich auch noch später gewinnen», hatte sie vor kurzem gesagt. Allerdings kann sie sich wie Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner, die schon mit 25 Jahren aufhörte, auch ein frühes Karriereende vorstellen. «Es könnte ganz schnell Schluss sein. Ich glaube nicht, dass ich den Sport ewig mache», sagte Dahlmeier der «Sport Bild». Die Belastung sei «einfach brutal»: «Man kann das nicht jahrelang auf höchstem Niveau machen. Zumindest kann ich das nicht.» Momentan aber sei sie «mit Leib und Seele Biathletin».