Informant Snowden hat Hongkong verlassen

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist am Sonntag von Hongkong Richtung Moskau abgeflogen. Die Zeitung «South China Morning Post» berichtete, Russland sei allerdings nicht das eigentliche Ziel.

Informant Snowden hat Hongkong verlassen
Glenn Greenwald/Laura Poitras

In unbestätigten Berichten hieß es zuvor, der 30-Jährige wolle vielleicht Zuflucht in Island oder Ecuador suchen.

Die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion bestätigte die Ausreise von Snowden, der vor zwei Wochen weitreichende Spionage der USA über das Internet enthüllt hatte. Es habe «keine rechtliche Grundlage» gegeben, ihn an der Ausreise zu hindern, hieß es nach Angaben des öffentlichen Radios RTHK in einer Mitteilung.

Die USA haben Snowden wegen Geheimnisverrats angeklagt und seine Festnahme in Hongkong beantragt. Da die vorgelegten Dokumente «nicht vollständig» die rechtlichen Anforderungen in Hongkong erfüllt hätten, seien die USA um zusätzliche Angaben gebeten worden, damit die Justizbehörden den Antrag prüfen könnten, teilte die Regierung mit. Bislang fehlten «ausreichende Informationen» dafür.

Die USA seien auch formell aufgefordert worden, die Berichte über Angriffe auf Computer in Hongkong durch amerikanische Behörden aufzuklären, teilte die Regierung weiter mit. Laut «South China Morning Post» ist Snowden an Bord des Aeroflot-Fluges SU213 und soll um 17.15 Uhr Ortszeit in Moskau (15.15 Uhr MESZ) landen.

Nach Snowdens Angaben soll der US-Geheimdienst NSA (NAtional Security Agency) Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten sowie wichtige Datenübertragungsleitungen der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert haben.

Erst am Freitag hatte die britische Zeitung «Guardian» unter Berufung auf Unterlagen Snowdens berichtet, dass der britische Geheimdienst ein noch viel umfangreicheres Abhörprogramm betreiben soll als die USA. Der Abhördienst GCHQ (Government Communications Headquarters) könne täglich bis zu 600 Millionen Telefonverbindungen erfassen, zitiert die britische Tageszeitung den in Hongkong untergetauchten IT-Spezialisten Snowden. GCHQ sei «schlimmer als die US(-Kollegen)».