Inspekteure bekommen Zugang zu bombardierten Dörfern

Die syrische Regierung will UN-Chemiewaffeninspekteuren Zugang zu den Dörfern gewähren, die am vergangenen Mittwoch mit Giftgas bombardiert worden sein sollen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Sonntag unter Berufung auf das Außenministerium, man habe eine entsprechende Einigung mit den Vereinten Nationen erzielt.

Wann die Untersuchung in dem Bezirk östlich von Damaskus beginnen soll, wurde nicht gesagt. Die Sicherheitslage in dem umkämpften Gebiet gilt als sehr schlecht. Die Opposition hatte am Samstag erklärt, sie könne im Rebellengebiet die Sicherheit der UN-Experten gewährleisten.

Nach den mutmaßlichen Giftgasangriffen lässt das Weiße Haus unterdessen mögliche Schritte weiter offen. Stunden nach einem Treffen von Präsident Barack Obama und dessen Sicherheitsteam hieß es in einer knappen Mitteilung am Samstag, die US-Geheimdienste sammelten weiterhin in «Koordination mit internationalen Partnern» Fakten, um einwandfrei festzustellen, was vorgefallen sei. Dabei würden auch Dutzende Augenzeugenschilderungen und Berichte über die Symptome der Getöteten beachtet.

Obama habe außerdem den von ihm angeforderten detaillierten Überblick über eine Reihe von möglichen Optionen für die USA und die internationale Gemeinschaft erhalten, «um auf den Einsatz von chemischen Waffen zu antworten».

Wie weiter mitgeteilt wurde, telefonierte der Präsident am Samstag auch mit dem britischen Premierminister David Cameron. Dabei hätten beide ihre «tiefe Besorgnis» über den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen am 21. August geäußert. Die USA und Großbritannien blieben in engen Konsultationen, was diesen Vorfall und die möglichen internationalen Reaktionen beträfen.

Ärzte ohne Grenzen teilte mit, in drei von der Hilfsorganisation unterstützten Krankenhäusern im Großraum Damaskus seien am Mittwochmorgen in weniger als drei Stunden 3600 Menschen mit «neurotoxischen Symptomen» aufgenommen worden. Sie hätten unter Krämpfen, starkem Speichelfluss und Atemnot gelitten. Ihre Pupillen seien stark verengt und der Blick verschwommen gewesen. Alles deute darauf hin, dass sie einem Nervengift ausgesetzt gewesen seien. 355 von ihnen sind nach Angaben der Krankenhausmitarbeiter gestorben.

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hatte den Einsatz von Giftgas am vergangenen Mittwoch zunächst bestritten. Revolutionäre hatten Videoaufnahmen verbreitet, die Opfer von Giftgasattacken in mehreren Dörfern zeigen sollen. Am Samstag hieß es dann seitens des Regimes, die Rebellen hätten offensichtlich im Nordosten der Hauptstadt Giftgas eingesetzt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, mehrere Soldaten hätten bei ihrem Vormarsch in das Viertel Dschobar Erstickungsanfälle erlitten.

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte dagegen während eines Aufenthaltes in der palästinensischen Stadt Ramallah: «Alle Informationen, die uns momentan zur Verfügung stehen, deuten darauf hin, dass in Syrien unweit von Damaskus ein Massaker mit chemischen Waffen stattgefunden hat und dass das Regime von Baschar al-Assad dahinter steckt.»

Die US-Marine habe ihre Flottenpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt, berichtete der Nachrichtensender CNN. Ein Zerstörer sei zu den drei dort kreuzenden Schiffen gestoßen. Die Schiffe seien mit Marschflugkörpern bewaffnet.

Laut CNN überarbeitete das Militär seine Optionen für ein Eingreifen im syrischen Bürgerkrieg. Ein Beamter des Verteidigungsministeriums erklärte dem Sender, die Liste von Zielen für mögliche Luftangriffe sei aktualisiert worden. Die Planungen würden die Verwendung von Marschflugkörpern einschließen. Obama hatte am Freitag zu den Giftgasvorwürfen erklärt: «Das berührt langsam Kerninteressen der USA.» Zugleich äußerte er «große Sorge».