Internationale Kritik an russischen Angriffen in Syrien

Deutschland, die USA und weitere Verbündete haben die russischen Luftangriffe in Syrien kritisiert. Moskaus Bombardierungen hätten zu zivilen Opfern geführt und nicht der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegolten, heißt es in einer Erklärung.

«Diese Militäraktionen stellen eine weitere Eskalation dar und werden nur noch mehr Extremismus und Radikalisierung schüren.» Zugleich gab es Berichte, der Iran habe zur Unterstützung Russlands Bodentruppen nach Syrien entsandt.

Auch Frankreich, Großbritannien, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei stehen nach Angaben des Auswärtigen Amtes hinter der Stellungnahme. «Wir rufen die Russische Föderation auf, ihre Attacken auf die syrische Opposition und Zivilisten sofort einzustellen und ihre Anstrengungen auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren.»

Der US-Sender Fox News meldete, der Iran habe Bodentruppen nach Syrien gesendet. «Dieser (Streitkräfte-) Aufbau wurde immer so verstanden, dass die Russen die Luftwaffe und die Iraner die Bodentruppen in Syrien stellen würden», sagte ein ungenannter Vertreter des US-Militärs dem TV-Kanal.

Auch ein Militärberater der gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA) erklärte, Truppen der iranischen Revolutionsgarden und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah seien zusammengezogen worden. Es gebe verlässliche Informationen, dass sie im Norden Syriens eine Bodenoffensive mit russischer Luftunterstützung planten, sagte Osama Abu Seid der Deutschen Presse-Agentur.

Ein ranghoher iranischer Diplomat wies die Meldungen zurück. «Iranische Militärberater waren schon immer in Syrien», sagte er der russischen Agentur Interfax zufolge. «Wir sehen keine Notwendigkeit, dorthin bewaffnete Einheiten zu schicken.» Kämpfer aus dem Iran und der Hisbollah sind schon seit längerem in Syrien im Einsatz, um das Regime gegen die Aufständischen zu unterstützen.

Russische Jets flogen erneut Angriff auf Ziele in Syrien. Erstmals nahmen sie die IS-Hochburg Al-Rakka im Norden des Landes ins Visier. Dabei starben zwölf Extremisten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, russische Jets hätten eine IS-Kommandozentrale südwestlich von Al-Rakka zerstört.

Nach Angaben von Aktivsten setzte die russische Luftwaffe auch ihre Angriff auf die nordsyrische Provinz Idlib fort, die von mehreren Rebellengruppen beherrscht wird, die den IS bekämpfen. Dazu gehört auch die Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Den syrischen Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren in den Provinz bei den russischen Luftangriffen am Donnerstag mindestens sieben Zivilisten getötet worden, unter ihnen ein Kind und zwei Frauen. Kremlchef Wladimir Putin bezeichnete hingegen westliche Berichte über den Tod von Zivilisten bei den Angriffen als feindliche Propaganda. Russland hatte am Mittwoch mit den Angriffen in Syrien begonnen.

Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, erklärte, Russland unterscheide bei seinen Angriffen nicht zwischen den verschiedenen Regimegegnern. Russlands Verlautbarungen, es gehe um den IS, seien eine «glatte Lüge». Nach Einschätzung von Emile Hokayem vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) nutzt Putin Anti-IS-Rhetorik, um Verwirrung zu stiften. «Es ist kein Verdacht: Russland will zuallererst das Überleben von Machthaber Baschar al-Assad sichern», sagte er.

Russische Kriegsschiffe kreuzten derweil vor der syrischen Hafenstadt Latakia. Die Kriegsmarine halte dort eine Übung mit Artillerie ab, es gehe aber auch um den Schutz des Luftraums über dem Flughafen von Latakia, sagte Admiral Viktor Krawtschenko. Dort sind russische Militärflugzeuge stationiert.