Internationales Medienecho zum Syrienkonflikt

Den Syrienkonflikt und eine möglicherweise bevorstehende Militärintervention kommentierten am Dienstag viele internationale Zeitungen:

«DIE PRESSE» (Österreich): «Zu lange haben die „müden Krieger“ Obama und Co. abgewogen und gezaudert, zu lange auf eine Friedenslösung gesetzt. Das rächt sich. Monat für Monat verschiebt sich die überfällige Syrien-Konferenz, ohne Aussicht auf Erfolg scheint die russisch-amerikanische Initiative geplatzt wie eine Seifenblase. Die Ägypten-Krise überschattete zuletzt den blutigen Bürgerkrieg in Syrien, der bisher mehr als 100 000 Opfer forderte.»

«LE MONDE» (Frankreich): «Eine militärische Reaktion auf den verbrecherischen Einsatz chemischer Waffen in Syrien wäre eine deutliche Botschaft an alle diejenigen, die in Zukunft ähnliche Gräueltaten begehen möchten. Untätigkeit wäre gleichbedeutend mit einer Blankovollmacht für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Eine präzise und gezielte Militäraktion wäre kein westliches Militärabenteuer, wenn die Folgen vorher gründlich bedacht werden.»

«LA CROIX» (Frankreich): «Vielleicht ist eine Intervention die beste aller schlechten Optionen, doch sie ist folgenschwer. Die Großmächte sind Diktatoren gegenüber zu lange passiv geblieben und haben sie gelegentlich sogar unterstützt. Man darf nicht vergessen: Frieden wird lange vor dem ersten Kriegslärm gesichert.»

«TAGES-ANZEIGER» (Schweiz): «Es ist einer dieser Momente, in denen es kaum ein Zurück gibt. Der Westen steuert auf eine militärische Intervention gegen Syriens Regime zu. (...) Im Fall von Syrien fehlt ein klar definiertes Ziel, und die Gegner des Regimes in Damaskus sind alles andere als eine Einheit.»

«DE TELEGRAAF» (Niederlande): «Die Opposition in diesem zerrissenen Land ist ein Sammelsurium von idealistischen Demokraten und radikalen Muslimen, die nichts anderes im Sinn haben, als Syrien in einen diktatorisch regierten Islamstaat umzuwandeln. Gut und Böse liegen dicht beieinander. Das macht eine Intervention am Boden zu einer gefährlichen Unternehmung. Übrig bleiben nur Angriffe mit Marschflugkörpern auf strategisch wichtige Ziele, die Assad und seinen Kumpanen ein für alle Mal klarmachen, dass sie von Massenvernichtungswaffen absehen müssen.»

«CORRIERE DELLA SERA» (Italien): «Sorgen bereiten die Risiken einer solchen Intervention, aber auch das, was danach kommen könnte. Das Weiße Haus hat so lange mit einer Reaktion auf die grausame Unterdrückung in Syrien abgewartet, weil diese mit einer ungewissen Zukunft verbunden ist. Es fehlen die zuverlässigen Gesprächspartner dort. Es besteht auch die Gefahr, dass Syrien in mehrere Teile zerfällt, und die Verbündeten von heute - die Rebellen - können die Feinde von morgen werden.»

«POLITIKEN» (Dänemark): «Der Einsatz von chemischen Waffen erfordert eine Reaktion, auch wenn die allein nicht hilft, den Konflikt zu lösen. (...) Eine überstürzte Entscheidung, Kriegsrhetorik und vage Ziele sind das Letzte, was wir brauchen. Aber wir dürfen uns nichts vormachen. Selbst eine begrenzte militärische Aktion könnte schwerwiegende Konsequenzen haben, ohne Garantie, dass es zu einer Verbesserung der Situation der hart geprüften Syrer kommt.»

«PRAVDA» (Slowakei): «Zu glauben, dass eine Intervention die einfachste Lösung wäre, ist ein gewaltiger Irrtum. Sie ist das schlimmste aller möglichen Szenarien. Die Erfahrungen im Irak und in Afghanistan haben gezeigt, dass es für die westlichen Großmächte kein Problem ist, ein diktatorisches Regime zu stürzen. Das heißt aber noch lange nicht, dass in dem Land dann Frieden und Stabilität einkehren.»

«DAILY TELEGRAPH» (Großbritannien): «Das wertvollste, was eine Supermacht besitzt, ist ihre Verlässlichkeit. Wenn die führende Nation der Welt eine Drohung ausspricht, eine Garantie abgibt oder auch eine Rote Linie zieht - dann muss sie bereit sein, ihren Willen durchzusetzen. Sonst verliert dieser unschätzbar wertvolle Besitz an Wert, vielleicht für immer.»

«HOSPODARSKE NOVINY» (Tschechien): «Dem brutalen Assad-Regime, das von Iran, der Hisbollah und Russland unterstützt wird, stehen mannigfaltige Rebellengruppen gegenüber. Dabei spielen die radikalen Islamisten eine immer größere Rolle. In einer solchen Lage ist es fast unmöglich, verlässliche Partner zu finden.»

«EL MUNDO» (Spanien): «Das Chaos in Syrien hat ein solches Ausmaß erreicht, dass nicht einmal mehr eine Delegation von UN-Inspekteuren respektiert wird. Die Experten gerieten unter Beschuss von Heckenschützen, als sie untersuchen wollten, ob chemische Waffen eingesetzt worden waren. Nicht einmal im Irak unter Saddam Hussein war es so gefährlich gewesen wie jetzt in Syrien.»