IOC-Reformen Signal für deutsche Olympia-Bewerbung

Nach der IOC-Reform-Session in Monte Carlo gehen die deutschen Olympia-Planer mit großer Zuversicht in die Zukunft.

IOC-Reformen Signal für deutsche Olympia-Bewerbung
Sebastien Nogier IOC-Reformen Signal für deutsche Olympia-Bewerbung

Die Agenda 2020 mit 40 Maßnahmen zur Neuausrichtung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seien auch für die Bewerber Berlin und Hamburg ein wichtiges Signal und böten beiden Städten wesentlich mehr Flexibilität, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. «Die Veränderungen ermöglichen es Olympia-Bewerbern, nachhaltigere, flexiblere, bescheidenere und kostengünstigere Konzepte vorzulegen», erklärte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Monte Carlo. «Aus dieser Mischung von Wandel und Aufbruch wächst Zuversicht und Optimismus für das Projekt Olympia in Deutschland.»

Auch der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper begrüßte die Modernisierungsmaßnahmen im IOC: «Die Agenda 2020 erzeugt eine olympische Aufbruchstimmung in Deutschland.» Neben deutlichen Kostensenkungen beschloss das IOC zudem, aus Gründen der Nachhaltigkeit «die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeber-Stadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes zu erlauben». Zudem soll künftig verstärkt auf temporäre Bauten gesetzt werden. Dadurch könne offensiver über die eine oder andere Veränderung der jeweiligen Sportstättenkonzepte nachgedacht werden, so Hörmann.

Ende Januar sind Workshops mit beiden Städten geplant, auch die Gründung einer Bewerbungsgesellschaft könne jetzt vorangetrieben werden. Am 21. März wird die deutsche Dachorganisation dann entscheiden, mit welcher Stadt sie für 2024 ins Rennen gehen will. Erst danach ist in der erfolgreichen Stadt eine Bürgerbefragung geplant.

Hamburg begrüßte die IOC-Entscheidungen. «Diese Reformen kommen dem Hamburger Bewerbungskonzept für Olympische und Paralympische Spiele sehr entgegen und geben einer deutschen Bewerbung generell Rückenwind», sagte Sportsenator Michael Neumann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Berlins scheidender Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit lobt die Reformen. «Das IOC hat einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Die Beschlüsse zielen auf mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Augenmaß bei Olympischen und Paralympischen Spielen», erklärte Wowereit. Besonders die Offenlegung der IOC-Verträge mit der Ausrichterstadt zeuge davon, «dass das IOC Konsequenzen aus der öffentlichen Kritik zieht».

Die Gegner der Berliner Bewerbung für die Sommerspiele 2024 oder 2028 äußerten sich sehr skeptisch. «Es ist ja schön, dass das IOC den Handlungsdruck bemerkt hat, weil es nicht mehr so leicht ist, Städte zur Bewerbung zu bringen. Aber es ist zu bezweifeln, dass sich ein privater Club wie das IOC überhaupt aus sich selbst reformieren kann», sagte Judith Demba von der Berliner NOlympia-Initiative der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk sieht die Reformen als Chance für Olympia und eine deutsche Bewerbung. Der Prozess im IOC sei jedoch noch nicht abgeschlossen, betonte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland im ZDF-«Morgenmagazin» am Dienstag. «Es ist ein Etappensieg, aber das Rennen ist noch lang, mindestens so lang wie die Tour de France, weil die eigentliche Arbeit an vielen Punkten jetzt erst beginnt.»

Die Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Spiele 2024 fällt im Sommer 2017 in Lima. Die Hauptstadt Perus setzte sich in der IOC-Abstimmung über den Austragungsort der Session mit 54:30 gegen Helsinki durch. Ein genaues Datum wurde dabei noch nicht festgelegt.

Bei den Spielen 2016 in Rio ist der Weg für eine Mannschaft aus dem Kosovo endgültig frei. Das IOC erkannte den seit 2008 von Serbien unabhängigen Balkan-Staat als 205. Vollmitglied an und bestätigte die vorläufige Anerkennung durch die Exekutive im Oktober.