iPad Air 2 im Test: Das Display macht den Unterschied

Schon bei der Premiere des ersten iPad Air vor einem Jahr kam der Tablet Computer von Apple schlank wie nie zuvor daher. Gerade mal 7,5 Millimeter war das Gehäuse stark.

iPad Air 2 im Test: Das Display macht den Unterschied
Jörg Carstensen iPad Air 2 im Test: Das Display macht den Unterschied

Doch dem Apple-Design-Team um Jony Ive reichte das nicht aus. Das neue iPad Air 2 ist jetzt mit nur noch 6,1 Millimetern so dünn, dass zwei Geräte aufeinandergelegt nicht einmal die Dicke des ersten iPads aus dem Jahr 2010 erreichen.

Im Praxistest fällt das Schlankheitswunder aus Cupertino aber nicht als stärkster Vorteil der neuen iPad-Generation auf, zumal die 30 Gramm Gewichtsunterschied zum ersten iPad Air in der Hand kaum spürbar sind. Und auch als Marketing-Argument wird der Titel des «dünnsten Tablet-Computer» nicht nachhaltig funktionieren, weil die Konkurrenz schon Geräte angekündigt hat, die noch einen Hauch dünner ausfallen werden.

Interessanter als die Angaben in Millimeter und Gramm ist für die Anwender die Methode, mit der Apple die Schlankheitskur umgesetzt hat, denn daraus ergibt sich eine der großen Stärken den neuen Tablets. Apple verkleinerte die Lücken zwischen dem schützenden Deckglas, dem darunter liegenden Display sowie dem Berührungsschicht: LCD, Glasabdeckung und Touch-Sensor sind nun fest miteinander laminiert. Zusätzlich ist der Bildschirm jetzt mit einer reflexionshemmenden Schutzschicht versehen. Damit hat man beim Bedienen des iPads mit dem Finger nicht nur den Eindruck, sich dichter am Bildschirm selbst zu bewegen. Der neue Aufbau sorgt dafür, dass das Display tatsächlich weniger spiegelt. Außerdem sind die Bildschirminhalte noch sehr gut zu erkennen, wenn man flach von der Seite auf das Display schaut.

An der Auflösung und Größe des iPad-Bildschirms hat sich nichts geändert (9,7 Zoll mit 2048 x 1536 Pixeln). Angetrieben wird das iPad Air 2 von einem A8X-Prozessor. Beim Benchmarktest erweist sich die neue CPU im Vergleich zum A7 des Vorjahresmodells - wie von Apple versprochen  - um rund 40 Prozent schneller. Bei der reinen Grafikleistung bietet das neue iPad Air sogar eine 2,5-fach höhere Power.

Die Technik im iPad Air 2 sorgt nicht nur dafür, dass die Oberfläche sehr «snappy» ist, also schnell und unmittelbar auf Eingaben reagiert. Das Bild kann auch durch Games auf Spielekonsolen-Niveau wie das Autorennen «Asphalt 8: Airborne» nicht zum Ruckeln gebracht werden. Allerdings stellen bislang die wenigsten Apps solch hohe Ansprüche an Hauptprozessor und Grafik, so dass man beim iPad Air 2 auch ein Stücken Zukunft mitkauft.

Erstmals in einem iPad setzt Apple seinen Fingerabdrucksensor «Touch ID» ein. Damit kann man nicht nur das Gerät aus dem Ruhezustand freischalten, sondern sensible Inhalte auf dem Tablet extra schützen. So unterstützt beispielsweise der populäre Online-Dokumentenspeicher Evernote das Entsperren via Fingerabdruck.

«Touch ID» kommt auch im neuen iPad mini 3 zum Einsatz, das sonst mit dem Vorgängermodell quasi identisch ist. Hier ist es beim A7-Chip geblieben, auch die Auflösung der Kamera (fünf Megapixel bei einer Blende von 2,4) wurde im Vergleich zum iPad mini 2 nicht verbessert. Im iPad Air 2 dagegen haben die Apple-Entwickler der Kamera ein Upgrade verpasst. Sie nimmt nun auf dem exzellente​n Niveau des iPhone 6 auf (acht Megapixel und 1080p-Videos in Full-HD mit verbesserter Zeitlupe und Zeitraffer). Allerdings fehlt der optische Verwackelschutz, den Apple im «Phablet» iPhone 6 Plus anbietet. Auch die Kamera an der Vorderseite wurde aufgewertet und ermöglicht nun bessere Selfies oder Videokonferenzen über FaceTime, Skype oder andere Video-Chat-Apps.

Unterschiedlich ausgestattet sind die beiden neuen iPads auch beim WLAN: Das iPad Air 2 unterstützt nun auch den neuen WiFi-Standard 802.11ac, mit dem theoretisch eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 866 Megabit pro Sekunde erzielt werden kann. Bei iPad Mini setzt Apple noch auf 802.11n mit Werten bis zu 300 Megabit pro Sekunde.

Ein interessantes Feature der neuen iPads bleibt vorläufig Apple-Kunden in den USA und Großbritannien vorbehalten. Hier werden die Geräte mit einer «Apple SIM» ausgeliefert, die Mobilfunkverbindungen mit unterschiedlichen Providern ermöglicht. In Nordamerika machen die Netzbetreiber AT&T, Sprint und T-Mobile US mit, im Vereinigten Königreich ist der Provider EE mit an Bord.

Umprogrammierbare SIM-Karten könnten die Telekommunikationsbranche durcheinanderwirbeln, weil die Kunden sich dann nicht mehr langfristig an einen Netzbetreiber binden müssen, sondern bequem von Anbieter zu Anbieter wechseln können. Daher wundert es nicht, dass in den USA die Telekom-Riesen Verizon und in Großbritannien Vodafone und O2 sich noch nicht dazu durchringen konnten, bei der «Apple SIM» mitzuspielen. Und die Provider in Deutschland wurden bislang offenbar noch nicht einmal von Apple gefragt.

Die neuen iPads sind in den Farben Grau, Gold und Silber verfügbar. Beim Air 2 starten die Preise für die Einstiegsvarianten mit 16 GB bei 489 Euro (WLAN) sowie 609 Euro (LTE). Für 64 und 128 GB werden jeweils 100 Euro Aufschlag fällig. Das iPad Mini 3 startet bei 389 Euro WLAN) sowie 509 Euro (LTE). Die iPad-Versionen Air, Mini 2 und Mini bleiben zu gesenkten Preisen im Angebot, so dass ein Einstieg in das iPad-Universum mit seinen knapp 700 000 Apps jetzt ab 239 Euro möglich ist.