Iran besteht im Atomstreit auf Verhältnismäßigkeit der Forderungen

Am zweiten Tag der Atomgespräche in Genf hat die iranische Delegation mehr Gegenleistungen für ein Einlenken gefordert. Der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi warnte vor unverhältnismäßigen Forderungen an sein Land.

«Das Spiel vom letzten Mal sollte nicht wiederholt werden. Auch sollte von uns nicht zuviel gefordert werden. Die Forderungen sollten eine Verhältnismäßigkeit haben», sagte die Nummer zwei im iranischen Verhandlungsteam. Unterhändler Teherans und der internationalen Gemeinschaft setzen ihre Gespräche fort.

Vertreter der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands (5+1) sprachen erneut mit dem Iran über Wege zu einer Übergangslösung. Dafür soll der Iran Teile seines Atomprogramms einfrieren, darunter die Arbeiten an einem Schwerwasserrektor und die Urananreicherung auf 20 Prozent. Im Gegenzug könnten Teile der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ausgesetzt werden. Der Iran pocht auf ein Recht auf ein ziviles Atomprogramm. Den Verdacht, Iran wolle einen Bau von Atomwaffen vorbereiten, weist die Teheraner Führung zurück.

Ein ranghoher westlicher Diplomat hatte nach dem ersten Verhandlungstag erklärt, es gebe Fortschritte, aber auch deutliche Differenzen. Ein Abkommen müsse tragfähig und detailgenau sein. «Wie immer steckt der Teufel im Detail», hieß es aus der 5+1-Gruppe.

Für die iranische Seite geht es weiterhin um sehr grundsätzliche Fragen wie die Anerkennung eines Rechts auf ein ziviles Atomprogramm. «Das größte Hindernis für den positiven Fortgang der Verhandlungen ist Mangel an gegenseitigem Vertrauen», sagte Araghchi. Er beklagte zudem, es gebe in der internationalen Verhandlungsgruppe Differenzen.

Vor dem Hintergrund der Genfer Atomgespräche übten die USA Kritik an der Führung in Teheran. Das Washingtoner Außenministerium wies Israel-feindliche Äußerungen des obersten Führers des Irans zurück. Die Worte von Ajatollah Ali Chamenei seien «nicht hilfreich», sagte Jennifer Psaki, Sprecherin des State Department.

Chamenei hatte Israel einen «tollwütigen Hund» genannt. Wörtlich sagte er: «Es gibt Drohungen von Feinden des Irans, darunter aus dem unreinen und üblen Mund eines tollwütigen Hundes in der Region, d.h. dem des zionistischen Regimes.»

Gleichzeitig warnte Chamenei in einer Rede vor Zugeständnissen bei den Genfer Verhandlungen über «rote Linien» hinaus. Dazu zählte er das Recht des Landes auf ein friedliches Atomprogramm.

Dennoch herrschte überwiegend vorsichtiger Optimismus. «Wir glauben weiterhin, dass die Gesprächspartner in gutem Glauben verhandeln», sagte Psaki. Man hoffe, auf diplomatischem Wege weiterzukommen.

Die Verhandlungen mit dem Iran schleppen sich seit Jahren ohne Ergebnis dahin. Erst seit Amtsantritt des neuen iranischen Präsidenten Hassan Ruhani im Sommer gibt es Bewegung. Der Westen fürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel seines Atomprogramms Nuklearwaffen anstrebt. Teheran bestreitet das kategorisch.