Iran fordert in Atomgesprächen mehr Entgegenkommen

Iranische Unterhändler fordern für eine Überganglösung im Atomstreit von der internationalen Gemeinschaft mehr Gegenleistungen. Der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi warnte am Donnerstag mehrfach vor unverhältnismäßigen Forderungen an sein Land.

«Außerdem muss unser Recht auf Urananreicherung im ersten Schritt respektiert werden», sagte er vor Journalisten in Genf. Am zweiten Tag des Treffens setzen Vertreter Teherans und der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands (5+1) ihre Gespräche fort.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton leitet die 5+1-Gruppe und traf in mehreren Verhandlungsrunden den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Ashtons Sprecher Michael Mann sagte, die Gespräche seien umfangreich und detailliert, weil man sich um Fortschritte bemühe. «Wie immer steckt der Teufel im Detail», hieß es aus der Delegation.

Die 5+1-Gruppe und der Iran sprechen über Wege zu einer Zwischenlösung. Dafür soll der Iran Teile seines Atomprogramms auf Eis legen, darunter die Arbeiten an einem Schwerwasserrektor und die Urananreicherung auf 20 Prozent. Im Gegenzug könnten Teile der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ausgesetzt werden. Teheran pocht auf ein Recht auf ein ziviles Atomprogramm. Den Verdacht, der Iran wolle einen Bau von Atomwaffen vorbereiten, weist die Teheraner Führung zurück.

«Wenn die (5+1) nur wenige Sanktionen aufheben, werden wir auch nur wenig im Gegenzug machen», sagte Araghchi, Nummer Zwei im iranischen Verhandlungsteam. «Es gibt derzeit viele Übereinstimmungen, aber immer noch auch Differenzen.» Details wolle er nicht nennen. «Die Forderungen sollten eine Verhältnismäßigkeit haben», hatte er bereits am Vormittag erklärt.

Vor dem Hintergrund der Atomgespräche hatten die USA Kritik an der Führung in Teheran geübt. Das Washingtoner Außenministerium wies Israel-feindliche Äußerungen des obersten Führers des Irans zurück. Die Worte von Ajatollah Ali Chamenei seien «nicht hilfreich», sagte Jennifer Psaki, Sprecherin des State Department.

Chamenei hatte Israel einen «tollwütigen Hund» genannt. Wörtlich sagte er: «Es gibt Drohungen von Feinden des Irans, darunter aus dem unreinen und üblen Mund eines tollwütigen Hundes in der Region, d.h. dem des zionistischen Regimes.»

Gleichzeitig warnte Chamenei in einer Rede vor Zugeständnissen bei den Genfer Verhandlungen über «rote Linien» hinaus. Dazu zählte er das Recht des Landes auf ein friedliches Atomprogramm.

Dennoch herrschte überwiegend vorsichtiger Optimismus. «Wir glauben weiterhin, dass die Gesprächspartner in gutem Glauben verhandeln», sagte Psaki. Man hoffe, auf diplomatischem Wege weiterzukommen. Die Verhandlungen mit dem Iran schleppen sich seit Jahren ohne Ergebnis dahin. Erst seit Amtsantritt des neuen iranischen Präsidenten Hassan Ruhani im Sommer gibt es Bewegung.