Iran strebt Imagewandel über Kunstförderung an

Seit über 35 Jahren kommt der Iran aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Ob nun das umstrittene Atomprogramm, Menschenrechtsverletzungen, Wahlfälschungen oder Holocaust-Leugnungen, all dies ließen das islamische Land international nicht gerade in einem guten Licht erscheinen.

Iran strebt Imagewandel über Kunstförderung an
Abedin Taherkenareh Iran strebt Imagewandel über Kunstförderung an

Aber Präsident Hassan Ruhani, der sein Amt im August 2013 angetreten hat, will dies ändern. Seine Devise lautet: «Versöhnung mit der Welt». Neben den politischen Charmeoffensiven bei den Atomverhandlungen setzen der moderate Kleriker und besonders sein Kultusminister Ali Dschannati auch verstärkt auf Kultur und Kunst.

«Die Kunst kann als diplomatisches Mittel und auch im Dialog zwischen den verschiedenen Völkern eine wichtige Rolle spielen», sagte Dschannati. Daher sollten die iranischen Künstler im In- und Ausland aktiver werden, so der Minister, dessen liberale Ansichten besonders beim Klerus äußerst umstritten sind. 

Dieses Ziel umzusetzen ist jedoch einfacher gesagt als getan. Immer noch gibt es die konservativen Kontrollgremien im Kultusministerium, die mit ihren strikten Vorschriften den Künstlern das Leben schwer machen. Sehr schnell kann ein Wort oder ein Bild als unislamisch und unmoralisch ausgelegt und dementsprechend das ganze Werk verboten werden. Dschannati hat aber in den vergangenen 18 Monaten einige Lockerungen angeordnet. Sein Fazit: «Seitdem ist die iranische Gesellschaft nicht unmoralischer geworden.»

Ein anderes Problem sind die Ausstellungsmöglichkeiten. «Es gibt im Iran zu wenige Galerien und viel zu lange Wartezeiten, besonders für junge Maler», sagt der Grafiker Farid Hamedi. Seiner Schätzung nach gebe es im Iran 700 bis 800 Maler, aber weniger als 10 aktive Galerien in Teheran - in anderen Städten fast gar keine.  «Da herrschen fast mafiaartige Zustände, wir haben da nur wenig Chancen», sagt eine junge Malerin, die nicht beim Namen genannt werden will.

Auch das mangelnde öffentliche Interesse an der Malerei macht den Künstlern das Leben schwer. Laut dem Kunstkritiker Mehran Norusi gehen im Iran nur wenige Besucher in Ausstellungen - kein Vergleich zum Westen. Ein Grund dafür, so meinen Experten, seien die wirtschaftlichen Probleme. Nur wenige wohlhabende Iraner zeigen Interesse und können sich auch finanziell manche Bilder leisten. Die ganz großen Auktionen werden aber im Ausland veranstaltet.

Vor der islamischen Revolution in 1979 setzte sich besonders die ehemalige Kaiserin Farah Diba für Kunst ein. Sie wollte das Land zu einer Kunstmetropole im Nahen Osten machen. Damals wurden viele wertvolle Gemälde gekauft, unter anderem Werke von Dalí, Gauguin, Miró, Monet und Picasso.  Sogar der amerikanische Pop-Art-Künstler Andy Warhol besuchte Mitte der 1970er die Hauptstadt Teheran, um sich ein Bild von der neuen iranischen Kunstszene zu machen.

Die wertvollen Gemälde waren nach der Revolution zunächst in feuchten Kellern gelagert. Ende der 90er Jahre wurde auch dem islamischen Establishment klar, was für wertvolle Schätze da herumlagen. Seitdem sollen sie im Nationalmuseum oder im Museum für  Zeitgenössische Künste (TMOCA) in Teheran aufbewahrt sein.

Zu den berühmtesten zeitgenössischen Malern und Bildhauern im Iran gehören Mohammad Ehsaei, Parvis Tanawoli, Ajdin Aghdaschlu und der erst 40-jährige Afschin Pirhaschemi. Der Bildhauer Tanawoli konnte sein Werk «Persepolis» bei Christie's in Dubai für umgerechnet rund 2,4 Millionen Euro verkaufen.  Die Werke von Ehsaei und Pirhaschemi wurden zu Preisen zwischen 500 000 Euro und einer Million Euro verkauft.

Eine Kultfigur ist der 74-jährige Aghdaschlu, der auch wegen seiner Poster für berühmte iranische Filme besonders beliebt ist. «Bei seinen Ausstellungen ist es wie bei Pop-Konzerten, da muss die Polizei wegen des großen Andrangs sogar die Straßen sperren», erzählt der Grafiker Hamedi. 

Den Kulturreformen sollen auch Ausstellungen von ausländischen Künstlern in Teheran weiterhelfen. In Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Breckner wurde am Dienstag im TMOCA  eine Einzelausstellung mit Werken des ZERO-Künstlers Otto Piene eröffnet. «Die Arbeit des TMOCA hat in den letzten Jahren auch international für Aufmerksamkeit gesorgt», sagte Museumsleiter Madschid Molanorusi. Dieses neue Interesse wolle er auch dafür nützen, zwischen dem Iran und der Welt eine neue kulturelle Brücke aufzubauen.