Iranische und israelische Band zusammen auf Tour

Ihre Heimatländer sind verfeindet, doch die Musik hat sie zusammengebracht: Eine iranische und eine israelische Band gehen gemeinsam auf Tour. «Diese jungen Leute wollen etwas machen und zeigen: Wir spielen dieses Spiel nicht mit», sagt Elnaz Amiraslani von der veranstaltenden Agentur.

Iranische und israelische Band zusammen auf Tour
PARVENUE Records Iranische und israelische Band zusammen auf Tour

Die Musiker nennen ihr Projekt «The Secret Handshake» - ein heimlicher Händedruck der Freundschaft. Die Bands wollen zwölf deutsche Städte besuchen, den Auftakt machen sie an diesem Dienstag (17. November) in Leipzig.

Ramzailech, eine Rockband aus Israel, und Langtunes, Indie-Rocker aus dem Iran, hielten sich Ende vergangenen Jahres zufällig gleichzeitig in Nürnberg auf. Dabei entstand die Idee des gemeinsamen Friedensprojekts. «Wir haben uns gefragt: Warum bündeln wir das nicht, um ein Zeichen zu setzen und Kulturen miteinander zu verknüpfen, anstatt gegeneinander aufzuhetzen?», sagt Amiraslani.

Die gemeinsame Tour im Nahen Osten zu veranstalten? Keine Chance. «Deutschland bietet uns nicht nur den neutralen Boden, um dieses Projekt umsetzen zu können, sondern entspricht auch unserem persönlichen Verständnis von Demokratie und Freiheit», sagen die Musiker nach Angaben des Veranstalters.

Die Finanzierung mit rund 30 000 Euro war lange fraglich - da es sich nicht um «berühmte, große Popbands handelt, sondern um solche, die es nur im Untergrund gibt», sagt Amiraslani. Weil Pop- und englischsprachige Rockmusik im Iran nicht erlaubt ist, spielen die Langtunes seit fünf Jahren im Geheimen. Jetzt aber steht der Tour nichts mehr im Wege - mit Zuschüssen unter anderem der Stadt Nürnberg und weil die Musiker die Kosten für die Reise selbst übernehmen.

«Kultur und Musik im Speziellen können helfen, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen», sagte Jürgen Markwirth, Leiter des Amts für Kultur der Stadt Nürnberg. Verdienen will keiner etwas an diesem Unterfangen, es geht allein um das gesellschaftliche und politische Ziel - ohne dass die beiden Bands sonderlich politisch wären. Keine regimekritischen Texte, kein Aufruf zum Ungehorsam, einfach nur: jüdische Klezmermusik gemischt mit Rock sowie Indie-Elektro-Rock, Musik machen, Spaß haben, frei sein.

«Allein die Vorstellung, dass auf den Konzerten Israelis und Iraner und alle anderen zusammen feiern, ist großartig», sagt Amiraslani. Keiner wisse, was die Bands in ihren Heimatländern im Anschluss an die Tour erwarte. Doch es gebe Gründe genug, um sich auf dieses Abenteuer einzulassen.