Iron And Wine auch live auf dem Zenit

Manche meinen ja, die Musik des einst so traurigen Folkrock-Barden Sam Beam leide darunter, dass es ihm derzeit zu gut gehe. Das Berliner Konzert seiner Band Iron And Wine führte diese ohnehin merkwürdige Theorie endgültig ad absurdum.

Iron And Wine auch live auf dem Zenit

«Ghost On Ghost», das Mitte April bei 4AD/Beggars erschienene sechste Album von Iron And Wine, wurde wegen seiner ultra-harmonischen Ausstrahlung und Beams offenkundig perfekt gerundeter Künstlerexistenz von einigen Kritikern argwöhnisch beurteilt: Der behagliche Sound-Amalgam aus Folkpop, Soul, Easy-Listening-Jazz, Westcoast- und Softrock spiegele eine übergroße Zufriedenheit des Singer/Songwriters aus Texas, und eigentlich könnten doch nur unglückliche Menschen wirklich relevanten Platten machen.

Lag diese Schlussfolgerung schon hinsichtlich des neuen Albums ziemlich daneben, so ließ der einzige Deutschland-Auftritt von Iron And Wine im plüschigen Admiralspalast erst recht nur ein Urteil zu: Nach gut zehn Jahren im Geschäft seit dem schüchternen Debüt «The Creek Drank The Cradle» (2002) befindet sich Sam Beam auf dem Höhepunkt seiner Kunst.

Der 38-jährige Frontmann von Iron And Wine hat fast alle Verzagtheit abgelegt, er lässt sich zwar immer noch kurz von Zwischenrufen irritieren, ist aber mittlerweile ein freundlicher, ausgeruht-selbstbewusster Entertainer geworden. Und eine der schönsten Stimmen des Indie-Folk hat er natürlich sowieso.

Der Gig im Zentrum der Hauptstadt ließ die Qualität gerade der jüngeren Songs von Iron And Wine so richtig erstrahlen. Die auch kommerziell endlich erfolgreichen Alben «Ghost On Ghost» (2013) und «Kiss Each Other Clean» (2011) wurden ausführlich gewürdigt. Hier und da kamen auch ältere Lieder zum Einsatz, teilweise in wunderbar reduzierten Akustikversionen - nur Beam, seine Gitarre und sein Gesang.

Überwiegend aber durfte die 13-köpfige Tourband - darunter drei Background-Sängerinnen, ebenso viele Bläser und ein Streicher-Trio - auf der großen Bühne üppige Versionen der prachtvollen Iron-And-Wine-Lieder präsentieren. Eine Hauptrolle spielte der brillante, vom Jazz kommende Pianist Rob Burger.

Mehrfach fragte Beam nach, ob man «Fun» habe - ja, das auch, vor allem aber ging von diesen kurzweiligen zwei Stunden eine enorme Herzenswärme und Seelenruhe aus. Ein großartiges Konzert, das ein ausverkauftes Haus verdient gehabt hätte.