IS-Miliz dringt weiter in die syrische Grenzstadt Kobane ein

Nach heftigen Gefechten mit kurdischen Milizionären hat die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) nach Angaben von Aktivisten drei Bezirke der seit Wochen umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane übernommen.

IS-Miliz dringt weiter in die syrische Grenzstadt Kobane ein
Sedat Suna IS-Miliz dringt weiter in die syrische Grenzstadt Kobane ein

Es handele sich um ein Industriegebiet sowie die östlichen Stadtteile Kani Araban und Makatal al-Dschadida, teilten die oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachter am Dienstag mit. Auf mehreren Gebäuden sei am frühen Morgen die schwarze Dschihadistenflagge gehisst worden.

Die Aktivisten erklärten weiter, dass es den PKK-nahen kurdischen Volksschutzeinheiten gelungen sei, IS-Kämpfer aus einigen Straßenzügen zurückzudrängen. Es gebe schwere Kämpfe um jede Straße, hieß es. Im Südwesten Kobanes habe die sunnitische IS-Terrorgruppe mehrere Gebäude am Stadtrand übernommen. Die Aktivisten gingen davon aus, dass es Luftschläge der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz im Süden und Osten der Stadt an der syrisch-türkischen Grenze gab.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten erklärten Kobane nach Angaben eines Sprechers zur «Militärzone» und brachten die noch in der Stadt gebliebenen Zivilisten in Richtung der Grenze im Norden.

Unterdessen haben kurdische Demonstranten in mehreren Städten Europas mit Protestaktionen und Besetzungen auf die verzweifelte Lage in Kobane aufmerksam gemacht.

Im niederländischen Den Haag drang am Montagabend eine große Gruppe kurdischer Demonstranten in das Parlament ein. Nach einem Gespräch mit der Vorsitzenden der Zweiten Parlamentskammer, Anouchka van Miltenburg, verließen die Protestierer am frühen Morgen das Gebäude wieder, berichteten niederländische Medien am Dienstag.

Am Flughafen der belgischen Hauptstadt Brüssel gab es ebenfalls eine Solidaritätsaktion von Kurden. Dort forderten Kurden ein entschlossenes Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gegen den IS und humanitäre und militärische Hilfe für die Einwohner von Kobane.

Auch in mehreren deutschen Städten gab es Proteste mit einigen tausend Teilnehmern. In Düsseldorf und Bonn drangen die Demonstranten kurzzeitig in Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und des Auslandssenders Deutsche Welle ein. In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 600 Kurden. Für den Vormittag war eine weitere Demonstration in der Hauptstadt angemeldet. Auch aus Hamburg, Dortmund, Münster und Essen wurden spontane Demonstrationen gemeldet.

Bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes in Istanbul kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal wurden in der Nacht zu Dienstag aus den Reihen mehrerer Hundert Demonstranten Steine geworfen. Die Auseinandersetzungen im Stadtzentrum dauerten demnach bis weit nach Mitternacht an. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, auch in anderen, meist kurdischen Vierteln Istanbuls sei es zu Zusammenstößen gekommen.