IS rückt in Kobane weiter vor

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bringt immer mehr Viertel der kurdisch-syrischen Grenzstadt Kobane unter ihre Kontrolle. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, haben die Dschihadisten etwa ein Drittel der Ortschaft erobert.

Sollten die Dschihadisten die ganze Stadt beherrschen, hätten sie einen langen, durchgängigen Grenzstreifen zum Nato-Land Türkei unter Kontrolle. Die Türkei ist dennoch nicht dazu bereit, im Alleingang mit Bodentruppen gegen die Extremisten im Nachbarland vorzugehen.

Das sei kein realistischer Ansatz, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach einem Treffen mit dem neuen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Ankara. Das internationale Bündnis gegen den IS müsse sich erst auf eine gemeinsame umfassende Strategie einigen. Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene radikale Sunnitenmiliz beherrscht bereits seit Juni weite Landstriche in Syrien und im Irak.

Stoltenberg sagte, die Türkei sei ein wichtiger Nato-Partner. Der IS sei nicht nur eine Bedrohung für Syrien und den Irak, sondern für die Region und für Nato-Staaten. «Die Nato steht bereit, alle Alliierten dabei zu unterstützen, ihre Sicherheit zu verteidigen.» Er verwies dabei auf die Patriot-Raketen auch der Bundeswehr in der Türkei zum Schutz gegen Luftangriffe aus Syrien.

Cavusoglu wies Vorwürfe zurück, die Türkei engagiere sich nicht ausreichend im Kampf gegen den IS. «Wir sind nie zurückhaltend gewesen», sagte er. Er erneuerte die türkische Forderung nach einer Schutz- und einer Flugverbotszone in Syrien. Außerdem müsse der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Teil der Strategie gegen den IS sein, betonte Cavusoglu.

Die Zahl der Toten in der Türkei bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes stieg nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA auf mindestens 22. Viele der Opfer kamen bei Zusammenstößen von Islamisten mit Anhängern der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im kurdisch geprägten Südosten des Landes ums Leben.

Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben die IS-Dschihadisten auch das Hauptquartier der kurdischen Polizei im Nordosten Kobanes mit übernommen. Das Gebäude sei am Vortag mit einem mit Sprengsätzen bestückten Lastwagen angegriffen worden, hieß es.